Heimspiel Harz: Unser erstes Dogtrekking (HDT17, Dogtour, 35 km)

Heimspiel Harz: Unser erstes Dogtrekking (HDT17, Dogtour, 35 km)

Rau, nass, kalt und dazu eine ordentliche Prise „Fichtenmikado“ auf den sonst so gut begehbaren Wanderwegen – so lässt sich das Harz-Dogtrekking 2017 wirklich treffend beschreiben. Dennoch war es einfach genial und lässt mich beim Gedanken daran immer noch lächeln. Barney und ich hätten uns kein besseres Debüt für unsere „Dogtrekking-Karriere“ (zumindest auf der Kurzdistanz) wünschen können.

Kurze Info vorab, falls du es noch nicht wusstest: Als Dogtrekking bezeichnet man das Weitwandern mit Hund. Der Vierbeiner trägt dabei ein Zuggeschirr und ist über eine zwei- bis dreimeterlange Leine mit Rückdämpfer mit dem Menschen, der einen Bauchgurt trägt, verbunden (vergleichbar mit Canicross). Beim „richtigen“ Dogtrekking werden Distanzen von 80 Kilometern und mehr zurückgelegt – oft zeltet oder biwakiert man zwischendurch, manchmal läuft man auch durch. Auf Dogtrekking-Veranstaltungen werden allerdings auch kürzere Distanzen angeboten: Der Doghike ist zwischen 40 und 80 Kilometer lang und für Einsteiger gibt es oftmals eine Dogtour (bis zu 40 Kilometer, meist ohne Wertung – leider).

Das Harz-Dogtrekking fand nun bereits zum zweiten Mal statt. Letztes Jahr wurde es noch von Caro und Anja von Hundwegsam organisiert, doch Barney war für eine Teilnahme leider noch viel zu jung mit seinen knapp vier Monaten. In diesem Jahr übernahmen Becci und Kati vom Dogtrekking Harz die Organisatoren-Rolle und schrieben einen Einladungslauf innerhalb der großen Dogtrekkingfamilie aus. Da ich die Beiden schon von den monatlich stattfindenden Touren quer durch den Harz kannte und besonders mit Kati oft auch unter der Woche unterwegs war, durften Barney und ich nun schließlich teilnehmen. Selbstverständlich entschieden wir uns für die Dogtour, die kürzeste Distanz, mit 35 Kilometern und 580 Höhenmetern. Bis zum Tag des Dogtrekkings war die längste Distanz, die wir je zusammen als Mensch-Hund-Team gelaufen sind, 18 Kilometer. Das konnte auf jeden Fall spannend werden…

Geplant war auf jeden Fall, den „Goldenen Oktober“ mitzunehmen. Ich freute mich schon riesig auf blauen Himmel, bunt gefärbtes Laub und ein bisschen Restwärme, weil der Sommer ja eher verhalten war… Das Traumwetter wurde dann ein paar Tage zuvor doch zum Alptraum, denn Sturmtief Xavier fegte mit voller Wucht über Norddeutschland und als ich zwei Tage vorher an meinem Schreibtisch saß und aus dem Augenwinkel unsere Gartenbank durch den Garten fliegen sah, war meine Goldene-Oktober-Hoffnung dann vollständig begraben. Einen Tag später freute ich mich riesig, dass aus den geplanten 90% Regenwahrscheinlichkeit nur noch 70% wurden und dass „nur noch“ 16 statt 22 Liter pro Quadratmeter Regen fallen sollen. Dazu ein frischer Wind inklusive Windböenwarnung – was gibt es Schöneres?

 

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Der Tag zuvor: Was muss mit? Was bleibt da? Barney ahnt schon, dass es wohl wieder raus geht… Draußen regnet es ununterbrochen – sein Gesicht spricht Bände.

 

 

Als ich Freitagabend auf dem Sofa saß und ein paar Riegel Schokolade und eine Flasche Bier in mich hineinschaufelte (Carboloading macht man doch in Sportlerkreisen), dachte ich an die Starter der längeren Distanzen (Dogtrekking: 88 Kilometer, 2384 Höhenmeter; Doghike Extended: 60 Kilometer, 1780 Höhenmeter), die teilweise schon unterwegs waren. Es war eine Mischung aus „Oh Gott, die Armen!“, „Ist ja schon mega cool!“ und „Sind die irre?“. Ich nahm mir vor, die ganze Sache ganz entspannt anzugehen und auf Barney und mich Achtzugeben. Sollten wir nicht durchkommen, wäre das angesichts des Wetters schließlich überhaupt keine Schande und kein Zeichen von Schwäche. Gesundheit geht vor. Immer! Und ja – auch 35 Kilometer wollen erstmal gegangen werden…

Am Samstag riss uns der Wecker viel zu früh und total unsanft aus dem Schlaf. Während ich im Bad war, machte der Hundepapa Frühstück (quasi Früh-Frühstück so um 5 Uhr). Kurz darauf waren wir startklar, obwohl uns Barney fragende Blicke zuwarf. „Jetzt da raus? Es ist dunkel. Seid ihr bekloppt?“ (Ich muss dazu sagen, dass Barney von sich aus bis mindestens 7.30 Uhr schläft – egal, ob unter der Woche oder am Wochenende. Sich von ihm wecken zu lassen, um pünktlich zur Arbeit zu kommen, geht definitiv nach hinten los!)

Wir verstauten alles im Kofferraum und fuhren Richtung Braunlage zum Ausgangspunkt, dem Campingplatz. Zum Glück hatten wir eine recht kurze Anreise von nur etwa 30-40 Minuten. Auf dem Weg fing es leicht an zu nieseln. Gegen viertel vor 7 trafen wir schon auf Sabrina, die uns mit Angel und Nanouk begleiten würde. Wir machten uns auf die Suche nach Frauke, die ebenfalls mit doppelter Hundestärke in Form von Tonks und Erin mit uns laufen würde. Währenddessen gingen wir zum Basislager von Becci und Kati, die uns schon hinter der geöffneten Wohnwagenklappe begrüßten. Sie gaben uns letzte Instruktionen mit auf den Weg und ein Blatt Papier mit aufgedruckter Karte und sechs freien Quadraten für die Checkpoints, die wir in Form von Stempeln der Harzer Wandernadel einsammeln mussten. Zum Glück bekamen wir vorab den GPS-Track, um uns von der Wanderapp komoot leiten zu lassen und zum Glück kannten wir uns im Harz so halbwegs aus. Im Kartenlesen brauche – zumindest ich – noch die ein oder andere Nachhilfestunde.

 

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Dick eingepackt zu sein ist wichtig. Die gleichen Grün- und Gelbtöne zu treffen ist dann eher zweitrangig…

 

 

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Unser Tour-Team am Start – sauber glänzend und frisch imprägniert leuchtet die Funktionskleidung. Rückblickend kann ich dir sagen, dass man nicht unbedingt eine leuchtend grüne Regenjacke braucht… Schwarz tuts auch – vorallem im Dreck.

 

 

Als Frauke startklar war, brachen wir um 7.35 Uhr auf. Nebel und ganz feiner Nieselregen hüllten sich um uns, als wir schon fast im Hellen mit unseren fünf Hunden den Campingplatz verließen. An der Waldmühle vorbei, erreichten wir schon nach kurzer Zeit den ersten Trail. Wir folgten dem Kaiserweg mitten durch den Wald und verpassten direkt fast den richtigen Abzweig. Auf einem schmalen Trampelpfad kamen wir zum Silberteich, der fast vollständig vom Nebel verschluckt war. „Schöne Aussicht“, meinte Frauke. Ich zückte dennoch das Handy – irgendwie mag ich Nebelfotos. Am Teich erwartete uns bereits der erste Stempel. Hier trafen wir auch auf andere Dogtrekker, die wir allerdings nicht kannten. Wir grüßten uns freundlich und lachten über das Wetter. Motiviert liefen wir weiter und das natürlich schon wieder in die falsche Richtung. Eine Mischung aus Komoot, den Wegweisern, unserer klassischen Papierwanderkarte und gesundem Menschenverstand, führte uns letztendlich wieder auf die richtigen Pfade. Jeder Anfang ist schwer und zum Glück sollten es die beiden einzigen Male gewesen sein, die wir falsch abgebogen waren.

 

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Der erste Trail sah schon direkt vielversprechend aus. Das Gute: Laubfärbung ist ja auch bei Regen vorhanden.

 

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Am Silberteich darf Barney die erste kleine Pause machen… (Da war er noch sauber, hihi)

 

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…während Frauke und Sabrina das erste Quadrat ihrer Karte bestempeln.

 

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Der Silberteich zeigt sich nur sehr verhalten.

 

 

Über breite geschotterte Waldwege, der Hahnenkleer Waldstraße, liefen wir bis nach Königskrug. Die ersten Kilometer flogen nur so dahin und wir kamen erstaunlich gut voran. Petrus hatte zudem ein Einsehen mit uns und hat den Hahn zugedreht – wenn Engel… ääähh Dogtrekker reisen… Wir unterhielten uns über Hunde, Hundesachen und Hunde. Irgendwo vor Königskrug sicherten wir uns den zweiten Stempel an den Hahnenkleeklippen. Bis dahin hätten wir allerdings noch extra hinlaufen müssen. Wir hingegen nutzten die kurze Rast in der Schutzhütte lieber zum Trocknen und Hundekekse in Hundemäuler werfen. Da wir allerdings richtig gut im „Flow“ waren, verloren wir keine Zeit und machten uns wieder auf den Weg. Die Hunde verstanden sich super. Wo es ging, liefen alle zum Teil dicht nebeneinander wie kleine Nähmaschinchen.

In Königskrug nahmen wir den Abzweig Richtung Achtermann und fingen nach kurzer Zeit an, eine große und lange Runde „Fichtenmikado“ zu spielen (wer dieses Wort erfunden hat, dem gehört echt ein Orden verliehen – leider weiß ich nicht mehr, wer es gesagt hat). Die Verwüstung vom Sturmtief machte sich vor unseren Augen breit. Wir wählten natürlich den unbequemen und steilen Weg und stiegen alle zwei Meter über Baumstämme. Manchmal krochen wir auch unten durch oder konnten sie umgehen (letzteres war allerdings sehr selten). Der Himmel drohte mit tiefgrauer Farbe und der Wind ließ die kahlen Zweige der Fichten beängstigend hin- und herwippen. Mir war ein bisschen mulmig zumute. Gleichzeitig war ich mächtig stolz auf Barney. Mit nur 15 Monaten meisterte er die Hindernisse total souverän – ohne Hektik oder Panik. Er drehte sich vor jedem Baumstamm zu mir um und wartete darauf, was ich ihm sage. Ich hätte nie damit gerechnet, dass er so früh schon so verlässlich sein würde – und das mitten in der Pubertät! Halb kletternd, halb kriechend, erreichten wir nach einer gefühlten Ewigkeit die Schutzhütte am Achtermann, wo wir auf Michaela, Andrea und Susanne trafen. Sie machten uns Platz in der Schutzhütte – total lieb – sodass wir stempeln und eine Kleinigkeit essen konnten. Wir hatten die Hälfte der Stempel erreicht und gut ein Drittel der Strecke hinter uns.

 

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Bestes Schietwetter für eine Tasse Tee – oder um 35 km wandern zu gehen?!

 

 

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Ich mag die raue Landschaft des Hochharzes – irgendwie gehört ja auch das Wetter dazu.

 

 

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Auf dem Weg zum Achtermann – eine mysthische und unwirkliche Gegend da oben.

 

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Andere zahlen viel Geld, um in einen Kletterpark zu gehen…

 

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„Och nööö, nicht schon wieder!“

 

Vom Achtermann aus sollten wir eigentlich einen weiteren Fichtenmikado-Trail bergab nehmen. Da der Wind weiter zunahm und der Weg, von dem wir auch nicht wussten, ob es der richtige war, eh gesperrt war, beschlossen wir, auf dem breiteren Forstweg zu bleiben und eine kleinere Extra-Schleife mitzunehmen. Zu diesem Zeitpunkt waren wir schon komplett nass. Welch Ironie, dass Frauke und ich noch wenige Kilometer zuvor davon erzählt hatten, wie toll wir am Tag vorher unsere Wanderstiefel eingewachst haben… Half aber nix, wir stapften weiter voran und hofften, dass die Wege nun besser werden. Und wieder mal wurden wir bitter enttäuscht…

Über den Kaiserweg ging es nach Oderbrück – im Schneckentempo, weil uns erneut feinstes Fichtenmikado erwartete. Wir stapften durch einen richtigen Laubengang, d.h. in der Mitte ein recht breiter Weg und zu beiden Seiten eine steile (allerdings nicht hohe) Böschung. Kreuz und quer lagen Fichten, Tannen und sonstige Stämme herum. Auf dem Weg selber floss das Wasser talwärts. Die Pfützen zu umgehen war spätestens an dieser Ecke zur Unmöglichkeit geworden – also besser gleich direkt durch. Hinter uns kämpften sich Steffi und Kathrin durch das ganze Geäst, Michaela und ihr Team waren wohl schon durch – die Glücklichen! Auf halber Strecke kam uns plötzlich der Hundepapa entgegen. Er wollte zum Achtermann hoch (haha!), knuddelte schnell Barney und ging weiter durch den Fluss. In Oderbrück angekommen, trafen wir auf eine Familie (Vater, Mutter, Kind 1, Kind 2) in nagelneuen Wanderhalbschuhen, moderner und sauberer Funktionsjacken und Jeans… Der Vater ließ uns den typischen Spruch hören, den wir fast nicht mehr hören können: „Och, mit Hund geht das ja einfach. Da würd‘ ich mich auch gerne ziehen lassen.“ Und „Na, der Weiße schafft das ja alles alleine.“ Höflich bejahte ich. „Wo kommen Sie denn her?“, fragte er weiter. „Aus Braunlage, aber wir haben noch 25 km vor uns…“, antwortete ich. Kurzes Schweigen. „Wow! Hmm, also uns wars am Oderteich viel zu nass. Da kommen wir gerade her. Mein Sohn ist in eine Pfütze getreten und musste erstmal saubere Schuhe anziehen“, berichtete er. „Jetzt wollen wir lieber zum Achtermann.“ Kurzes Schweigen. Diesmal meinerseits. Ich beschloss, die Familie vor dem doch recht abenteuerlichen Weg zu warnen. Also vielmehr vor dem Fluss. „Ich kenne das da oben. Ich war vor 20 Jahren schon mal hier!“ Schön, dann viel Spaß! Mich würde interessieren, wie weit die Vier gelaufen sind. Es kann niemand sagen, ich hätte sie nicht gewarnt…

 

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Das war wirklich noch ein trockener Abschnitt!

 

 

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Auch noch trocken…

 

 

Ab Oderbrück hatten Becci und Kati ein kurzes Einsehen mit uns und schickten uns über den Goetheweg durch das Torfhausmoor nach Torfhaus. Hier kamen uns so einige Wanderer entgegen. Dafür war der Weg befestigt und trocken. Selbst die Hunde konnten immer noch genug aus dem Bach nebenan trinken. Wozu hat man das ganze Wasser mitgeschleppt? Ein bisschen mühselig war es schon, den ganzen Wanderern auszuweichen. Unglaublich, wer bei solch schlechtem Wetter alles unterwegs ist. In Torfhaus überquerten wir die Straße und bogen in den Märchenweg, der alles andere als märchenhaft war. Nass war er. Und wurzelig. Und schlammig. Den Schlammtest machte Sabrina ganze zweimal (oder dreimal?), weil Nanouk ein wenig schneller als er sollte, über die rutschigen Bohlen laufen wollte und die arme Sabrina ja zwangsläufig hinten dran hing. Auf diesem Abschnitt kam uns eine junge Familie mit umgeschnallten Baby entgegen. Kann man machen, muss/sollte man aber nicht. Geredet haben wir während diesem Teilstück fast gar nicht. Jeder hing seinen eigenen Gedanken nach und lief in seiner eigenen Geschwindigkeit. Der Weg zog sich in die Länge wie Kaugummi. „Boah, da muss doch langsam mal der Oderteich kommen“, seuftzten wir. Es war moorastig, nass und schlammig. Die Feuchtigkeit auf den Wurzeln und Baumstämmen war rutschig wie Schmierseife. Wir hatten das Gefühl, überhaupt nicht voranzukommen. Dann endlich – nach einer letzten Halbkurve: Der langersehnte Stempelkasten am oberen Ende des Oderteichs, die Sonnenkappe. Michaela, Andrea und Susanne waren ebenfalls da und pausierten gerade. Auch Sabrina und Darlana trafen wir. Ihre Gesichter sprachen Bände… Es fing wieder leicht an zu regnen – also wollten wir schnell weiter. Den Oderteich hatte ich schon oft umrundet. Becci und Kati schickten uns natürlich den unbefestigten Trail entlang und ich ahnte Böses… Dieses Mal sollten wir auch nicht enttäuscht werden. Wir bahnten uns den Weg über die Stämme und standen plötzlich im Nirgendwo. Kein Weg war zu sehen – es ging weder vorwärts noch seitwärts in irgendeine Richtung. Mist! Hinter uns schlossen Michaela und Team auf, doch auch sie wussten nicht, wo wir lang sollten. Gemeinsam beschlossen wir, den Rückweg anzutreten und einen Extrakilometer auf der anderen Seite des Oderteichs mitzunehmen. Das war im Nachhinein auch die beste Entscheidung. Ich hatte mit Barney bereits unseren Kilometerrekord gebrochen und wollte ihm die Hindernisse nun doch ersparen. Auf der Westseite kamen wir zügig voran. Wir ließen Michaela und ihre Truppe, zu der sich auch Sabrina und Darlana gesellten, ziehen und fanden schnell wieder zu unserem alten Trott. Gegenüber vom Parkplatz am Oderteich überquerten wir die Straße und nahmen den Wanderweg in Richtung des Rehberger Grabenhauses, unserer vorletzten Stempelstelle. Waldautobahn – juhu! Wir waren so froh darüber und konnten mal wieder zu dritt nebeneinander laufen – mit Ausblicken auf der linken Seite (auch in Richtung Hahnenkleeklippen) und bunt gefärbtem Laubwald.

 

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Der Goetheweg von Oderbrück nach Torfhaus ist eine richtige Erleichterung für Füße und Pfoten.

 

 

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An Teilstücken wie diesem frage ich mich, warum ich 2 Liter Wasser für den Hund eingepackt habe…

 

 

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Am Märchenweg ist Barney bereits klitschnass.

 

 

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Der Märchenweg ist mit Sicherheit auch in heißen Sommern nie gänzlich trocken.

 

 

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Der schöne Oderteich – und schon wieder Regen!

 

 

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Der Weg auf der Westseite des Oderteichs ist für alle die beste Wahl. Barney guckt aufs Wasser. Der wäre auch noch schwimmen gegangen… Kommt ja eh nicht mehr drauf an.

 

 

Wir folgten dem Rehberger Grabenweg und fingen an, die Kilometer rückwärts zu zählen. Insgesamt lagen noch etwa 8 Kilometer vor uns. Am Rehberger Grabenweg begleitete uns der Rehberger Graben, welcher erneut ordentlich Flüssigkeit zum Trinken für die Vierbeiner lieferte. Barney war inzwischen auch schon recht müde – auf jeden Fall zu müde, um noch motiviert das Bein zu heben oder wie zuvor überall zu schnuppern (ich erwähnte die Pubertät?). Am Rehberger Grabenhaus trafen wir wieder auf Michaela und ihre Truppe. Alle hatten ihre Kapuzen weit ins Gesicht gezogen und verhüllten sich komplett vor der Nässe, die allerdings überall erbarmungslos hineinkroch. Und dennoch waren wieder Touristen und genauso irre Wanderer wie wir unterwegs. Ins Gasthaus reingehen wollten wir nicht, denn dann wären wir nicht mehr hochgekommen. Wir beschlossen, uns in einer Art Carport unterzustellen und nochmal eine kurze Verschnaufpause zu machen. Auf engsten Raum quetschten wir uns alle hinein und waren froh über diese wenigen trockenen Quadratmeter. Frauke erwies sich als unsere Retterin, denn sie hatte noch warmen Apfelsaft (oder war es Orangensaft? Egal!) in einer Thermoskanne dabei. Das hat so gut getan! Sabrina teilte ihr Energie-Wasser, eine Art Energydrink für Hunde, mit Barney, Tonks und Erin und ich schmiss eine Runde Kinderriegel. Barney fraß einen Hundekeks und Kaustreifen nach dem anderen, schlabberte zwischendurch das kühle Wasser und kam erstaunlich schnell zur Ruhe. Sabrina wagte sich hinaus in den Regen und stempelte für uns mit. Etwas belustigt gingen die anderen Wanderer und Touristen an uns vorbei. Wir mussten wahrhaft ein echt witziges Bild abgegeben haben, wie wir da im Unterstand hockten.

Allzu lange hielten wir es allerdings auch nicht aus. Es war zwar windgeschützt, aber nicht unbedingt bequem und so packten wir unseren Kram zusammen, schulterten die Rucksäcke und spannten die Hunde wieder ein. Barney blühte nochmal so richtig auf. Erfahrungsgemäß wirken die Rinti-Kaustreifen Wunder bei ihm. Er forderte ständig Angel, Nanouk, Tonks und Erin zum Spielen auf, sprang den Weg entlang, hatte allerdings auch scheinbar seine Ohren im Carport vergessen… Nun ja, die letzten 5 Kilometer schafften wir auch so. Es folgten nur noch breite und bequeme Forstwege, ein paar letzte Steigungen und der kurze Abstecher zur Gaststätte Rinderstall. Somit holten wir uns den letzten Stempel und konnten Füße und Pfoten nochmal motivieren, uns die letzten zweieinhalb Kilometer zurück zum Campingplatz zu bringen.

 

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Das Ziel ist nicht mehr weit – die Fünf sind komplett im Arbeitsmodus, wobei Angel (ganz rechts) nichts dagegen hat, sich etwas von Nanouk ziehen zu lassen. ;-)

 

 

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Die letzten Kilometer fliegen dahin, erneut zieht Nebel auf…

 

 

Odertalstraße und Morgensternweg brachten uns wieder zur Waldmühle. Inzwischen regnete es stärker. Wir waren nass, aber das war uns nun egal. Wir freuten uns über die ersten Häuser der „Zivilisation“, überqueren fix die Straße und tapsten über den Campingplatz, wo uns der Hundepapa schon mit heißem Kaffee erwartete. Total lieb! Den Kaffee gibt es allerdings nach dem „Zieleinlauf“, denn Becci und Kati werteten die Dogtour ebenfalls, was ich richtig gut finde. Wir wurden von ihnen schon aus dem Wohnwagen begrüßt, kurz vor uns kamen Michaela und ihr Team ins Ziel. Becci notierte die Zeit und Kati fragte besorgt, ob es wirklich so schlimm gewesen ist. Ganz und gar nicht! Nach 8 Stunden und 53 Minuten kamen wir um 16.28 Uhr wieder ins Ziel und hatten 35 Kilometer und 680 Höhenmeter auf der Uhr. Wir hatten es tatsächlich geschafft! Die Zeit zum Freuen kam noch früh genug – erstmal wollten wir schnell die Hunde ins Trockene bringen und auch aus unseren nassen Sachen raus. Einen klitschnassen Hund im strömenden Regen abzutrocknen macht nur halb Sinn – also setzten wir Barney mit zwei Handtüchern umwickelt in seine Box, in der er sich mit einem tiefen Seufzer fallen ließ (Schäferhunde leiden schließlich immer ganz fürchterlich!). Ich befreite mich derweil von den nassen Schuhen und Gamaschen und freute mich auf die Rückfahrt mit Sitzheizung. Schnell verabschiedeten wir uns und düsten los.

 

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Sabrina und ich sind happy – wir haben gefinished! Frauke ist schon im kuscheligen Wohnwagen und Barney interessiert sich nur für den gut riechenden Inhalt des Goodie Bags.

 

 

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Ich bin unglaublich stolz auf Barney. Er hat sich mehr als nur eine große Portion Futter verdient. Sein Blick hängt nach wie vor an der lecker riechenden Tüte…

 

 

 

Den Abend ließen wir auf dem Sofa ausklingen – Wunden lecken bzw. Füße hochlegen war angesagt. Am nächsten Morgen bin ich – allerdings alleine – nochmal nach Braunlage zur Siegerehrung im strömenden Regen gefahren. Unglaublich, aber Frauke, Sabrina und ich haben tatsächlich den 2. Platz bei der Dogtour erreicht. Damit hätten wir überhaupt nicht gerechnet, weil ein schnelles Vorankommen teilweise so gar nicht möglich war. Dennoch war es eine richtig schöne Tour – abwechslungsreich und fordernd zugleich, aber absolut genussvoll – auch wenn es gerne etwas weniger Wasser hätte sein dürfen. Becci und Kati haben ihr erstes Event richtig gut organisiert und uns somit ein super Dogtrekking-(Tour-)Debüt beschert. Respekt an alle anderen Dogtrekker (egal auf welcher Distanz), dass ihr die Trails in Angriff genommen habt. Es war ein einmaliges Team-Erlebnis – so wie es sein soll.

 

 

 

Die Tour im Überblick:

Strecke: 35 km

Rundweg: ja

Dauer: 6 Stunden, 44 Minuten reine Gehzeit

Schwierigkeit: schwer

Höhenmeter: 680 m rauf und 680 m runter

Harzer Wandernadel: 6 Stempelstellen

 

Karte

 

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