Wie alles begann: Wandern mit Pferden

Wie alles begann: Wandern mit Pferden

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Wenn aus raschelnden Blättern am Wegesrand plötzlich fiese kleine Monster werden und jede Pfütze zum unüberwindbaren Hindernis wird, kann der kleine Spaziergang am Nachmittag schnell zur nervlichen Belastungsprobe werden. Wandern mit Pferden kann toll sein, befreiend und ein wunderbares Erlebnis, Streifzüge durch die Natur zu unternehmen. Doch diese Leichtigkeit, die in Filmen und Büchern so oft als selbstverständlich vorausgesetzt wird, muss erst gefunden werden. Oftmals ist es kein einfaches Drauflos-Gehen, sondern monatelange Arbeit. Du kannst den tollsten Wandersattel der Welt haben, wenn es dem Pferd-Mensch-Team am Wichtigsten mangelt: Vertrauen. Sich dieses zu erarbeiten, mag lange dauern und der Weg dorthin holprig sein, aber es ist definitiv nicht unmöglich. Dein Pferd wird es dir schließlich danken.

Dieser Artikel soll keine Step-by-Step-Anleitung werden, wie du aus deinem Pferd den perfekten Wanderbegleiter machst. Auch erfahrene „Pferde-Wanderer“ haben kein Geheimrezept, das die Wanderung zum Erfolg macht. Es gibt keine Universal-Anleitung für dein Pferd, denn jedes Tier hat seinen eigenen Charakter und reagiert völlig unterschiedlich auf „gefährliche Dinge“ am Wegesrand. Ich gebe aber jedem Pferdemenschen mit auf den Weg: einfach machen.

Die erste Wanderung ist nie ganz einfach…

Denn genau das dachte ich mir damals auch, als ich 2010 meine damals 5-jährige Vollblutaraberstute Luna kaufte. Die Realität sah auch früher schon anders aus als in Wendy-Heften und Cowboy-Filmen. Ich war einfach nicht das kleine Mädchen, das nach drei Äpfeln und mehreren nächtlichen Besuchen im Stall ein wildes Pferd gezähmt hatte. Luna war nicht einfach. Sie ließ sich weder verladen, dem Schmied die Hufe geben noch vernünftig reiten. Überall lauerten Gefahren, die mein „Arabärchen“ mit weit erhobenem Kopf, aufgeblähten Nüstern und hochgestelltem Schweif quittierte. Ihr Verhalten war eine Mischung aus Angst, „Null Bock“ und fehlendem Vertrauen zu mir. Viele Situationen waren alles andere als einfach und brachten mich regelmäßig nach jedem Fortschritt wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Was ich damals gedacht habe? Nichts. Nicht einmal kam mir in den Sinn: „Das schaffst du nie.“ Die Option gab es einfach nicht. Sie stand nicht auf der Liste. Im Nachhinein bewundere ich mich für diesen Mut und diese unvoreingenommene Denkweise. Sie hat mich oft vor dem Verzweifeln bewahrt.

 

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Auch heute – fast 6 Jahre nach unserer ersten Wanderung – ist Luna gerne mit mir unterwegs. Mit aufmerksam gespitzten Ohren betrachtet sie ihre Umgebung ganz genau.

 

Unsere erste Wanderung unternahmen Luna und ich an einem heißen Sommertag irgendwann im Juli 2010. Zu diesem Zeitpunkt gehörte sie mir erst zwei Monate und genoss ihr Wildpferdeleben auf einer schier endlos weiten Wiese am Rande eines idyllischen Dorfs in Harzrandlage. Diese Wanderung war nicht geplant, aber zwangsläufig notwendig, weil sich mein Pferd mit aller Kraft gegen unsere tagelangen Verlade-Versuche gewehrt hatte und wir die Wiese leider verlassen mussten. Niemand konnte uns helfen und ich hatte zu dieser Zeit weder das Wissen noch die Kontakte zu einem Trainer um die Situation zu meistern. Uns standen also 12 Kilometer Strecke bevor – eine ordentliche Route für einen ungeübten Reiter und ein noch ungeübteres Pferd. Weil die Aktion eher spontan als geplant war (es bestand ja immer noch die Möglichkeit, dass mein Pferd kooperativ auf den Hänger geht), liefen wir nicht über Feldwege oder durch Wälder, sondern folgten den Straßenschildern und marschierten auf Fußwegen und am Straßenrand.

Trotz Sattel auf ihrem Rücken ritt ich Luna nicht, sondern ließ sie am langen Zügel neben mir her trotten. Ich wollte mein junges, angerittenes Pferd nicht noch mit Reitergewicht überfordern. Sie sollte sich von allein ihren Weg suchen. Schon bald gelangten wir an das erste Hindernis: eine Unterführung. Oberhalb des bogenförmigen Durchgangs sausten Autos und LKW mit hoher Geschwindigkeit. Wir würden eine Autobahn unterqueren. „Auch das noch“, dachte ich mir und fasste den Zügel nach. Luna aber trottete brav hinter mir her und machte keine Anstalten flüchten zu wollen – auch dann nicht, als die Straße eine Rechtskurve machte und uns direkt neben der Autobahn entlangführte. Beruhigend redete ich auf sie ein, klopfte ihren Hals und sang leise vor mich hin. Die Autofahrer, die uns überholten oder entgegen kamen, guckten uns neugierig an. Wir mussten ein lustiges Bild abgeben. Den letzten Abschnitt unserer Tour legten wir recht zügig zurück und wählten den direkten Weg durch ein hochgewachsenes Maisfeld. Meine Füße fingen an zu schmerzen und die hochsommerliche Hitze machte uns beiden zu schaffen.

 

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Mittlerweile folgt Luna mir überall hin. Sie genießt die Zeit draußen genauso intensiv wie ich.

 

Endlich erreichten wir die neue Weide. Ich sattelte Luna ab und stellte sie zu ihren neuen vierhufigen Freunden. Sie trabte nicht sofort los, sondern blieb noch einen Augenblick bei mir, senkte den Kopf und stupste mich sanft mit ihrer weichen Nase an. Dieser kurze Moment gab mir so viel Kraft, von der ich auch heute noch zehre. Mir wurde schlagartig bewusst, dass Luna und ich alles gemeinsam schaffen konnten. Diesen Moment möchte ich auch dir geben. Glaube an dich und dein Pferd und lasse dich nicht von anderen Menschen beeinflussen. Ihr könnt alles schaffen, wenn ihr wollt. Manchmal geht es ganz schnell und manchmal dauert es ein wenig länger. Es hängt immer davon ab, was ihr draus macht.

2 Antworten

  1. Wirklich sehr toll geschrieben! Euch ALLES GUTE

    ♥liche Grüße – Lenchen

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