Harzer Hexenstieg mal anders: Filmdreh in den Wäldern des Nationalparks

Harzer Hexenstieg mal anders: Filmdreh in den Wäldern des Nationalparks

Wenn ich so darüber nachdenke, war der 5. September 2014 der absolute Höhepunkt meines zugegebenermaßen noch recht jungen Wanderlebens. Bis zu diesem Tag habe ich die traumhaft schönen Harzlandschaften nie so bewusst und intensiv wahrgenommen. Ich durfte an diesem Tag als eine der Hauptdarstellerin für einen Imagefilm über den Harzer Hexenstieg mitwirken. Alles fing mit einem harmlosen Online-Casting ein paar Monate zuvor an. Ein guter Bekannter hatte mir den Link dazu geschickt und ich dachte mir so nebenbei: „Klar, warum nicht? Da machste mal mit.“ Ein paar Angaben hier, etwas schreiben da – kein Problem. Mit dem Foto-Upload lief allerdings alles schief. Die Seite hing sich andauernd auf, alle Angaben waren wieder weg und ich kochte innerlich bereits. Irgendwann hatte ich genug, klappte den Laptop zu und vergaß die ganze Geschichte.

Ein paar Wochen später bekam ich von der Filmagentur Spreadfilms eine Email mit der Bitte, ihnen ein paar Fotos und ein Video von mir zu schicken. „Ach herrje, da war ja was“, dachte ich mir nur. Probier‘ das erstmal aus, dich mit einer Digitalkamera selber zu filmen… Die Kamera platzierte ich auf meinem Fernseher im Schlafzimmer. Der hatte ungefähr die perfekte Höhe, sodass der Bildausschnitt Gesicht und Oberkörper zeigte. Ich hüpfte also fröhlich ins Bild, plapperte von meiner unbändigen Wanderlust und präsentierte stolz mein volles Stempelheft der Harzer Wandernadel (zumindest eine volle Seite daraus). Das muss wohl so überzeugend rübergekommen sein, dass ich ein paar Tage später einen Anruf erhielt: „Du bist dabei!“. Ich habe lange überlegt, darüber zu berichten, weil ich diesen Tag mit ganz eigenen und sehr innigen Gefühlen verbinde. Wenn ich daran zurückdenke, fängt mein Herz wieder an zu klopfen und ich muss lächeln. An diesem besonderen Tag hängen soviele persönliche Erinnerungen. Ich hüte diese Gefühle und Gedanken wie ein Schatzkästchen ganz tief in mir drin. Und doch möchte ich dir davon erzählen, denn dieses Erlebnis hat mich geprägt. Ich habe nicht nur ein unfassbar starkes Bewusstsein für die empfindliche Natur um uns herum entwickelt, sondern auch meine Leidenschaft für Reportagen und für das Bloggen entdeckt. Ich möchte dich mit meinem Text, der in der Goslarschen Zeitung erschienen ist und ein paar Bildern auf eine kleine Reise mitnehmen, auf meine eigene Reise.

 

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Eins meiner liebsten Fotos in meinem gesamten Fotografenportfolio entstand am frühen Morgen des Filmdrehs.

 

Morgens halb sechs am Oderteich. Dichte Nebelschwaden liegen über dem Wasser. Das erste Morgenrot deutet sich an und die Natur erwacht langsam aus der Starre der Nacht. Es ist ein wahrhaft magischer Anblick, den wir erleben dürfen. Ein Zeichen dafür, dass Mensch und Natur doch miteinander verschmelzen können. Aber wir sind zum Arbeiten hier. Unsere Mission: Ein Imagefilm über den Harzer Hexenstieg. Der etwa 100 Kilometer lange Wanderweg, der quer durch den Harz von Osterode nach Thale führt, ist einer der Top Trails of Germany. Die Top Trails sind eine Marketingkooperation, die das Wandern auf Fernwanderwegen als modernes Thema insbesondere für eine jüngere Zielgruppe bewerben möchte. Die Werbung soll auf diversen Wander- und Tourismusplattformen im Online-Bereich zu sehen sein. Nachdem Konzept und Agentur feststanden, folgte ein deutschlandweites Casting, bei dem je zwei Hauptakteure für die Kurzfilme der einzelnen Wanderwege gesucht wurden.

Kurzentschlossen nahm ich am Casting teil, das von der jungen Agentur Spreadfilms aus Traunstein im Chiemgau organisiert wurde. Ich konnte es selbst nicht glauben, aber ich hatte Glück. 500 Bewerber – und ich bin eines der zwei Gesichter des Harzer Hexenstiegs. Spreadfilms-Praktikantin Hannah Koberstein erklärte mir den weiteren Verlauf. Wir würden uns gemeinsam mit Kameramann Jonas Freudenberger, Andreas Lehmberg, dem stellvertretenden Geschäftsführer des Harzer Tourismusverbands und der anderen Hauptdarstellerin einen Abend vor dem Dreh im Hotel Relexa in Braunlage treffen und den Plan durchgehen. Außerdem würden wir von den Outdoor-Firmen Vaude und Tatonka, die das Top Trails-Projekt mitfinanzieren, mit Wanderkleidung und Rucksäcken ausgestattet. Rucksack und Softshelljacke gehörten zum Honorar. Das Drehbuch war schnell besprochen: Zwei beste Freundinnen bewältigen gemeinsam den Harzer Hexenstieg. Wobei es schon ein komisches Gefühl war, nicht zu wissen, wer da meine „beste Freundin“ sein würde. Doch als Stefanie Lehmberg und ich uns beim gemeinsamen Abendessen zum ersten Mal sahen, passte die Chemie vom ersten Moment an.

So standen wir also am Oderteich und erhielten von Kameramann Jonas Freudenberg erste Instruktionen. „Wandert einfach als wäre ich nicht da, lacht und unterhaltet euch“. Nichts fiel uns leichter als das – trotz der frühen Morgenstunde. Langsam ließ sich die Sonne blicken und wir mussten weiter zur nächsten Location. Es ging direkt zum Torfhaus. Auf dem Weg zum Brocken lag der Fokus auf der einzigartigen Moorlandschaft und dem Oberharzer Wasserregal. Freundin Stefanie und ich wanderten festgelegte Abschnitte immer und immer wieder entlang, bis Jonas zufrieden und die Szene im Kasten war. „Noch einmal auf Anfang. Uuund bitte!“.

Mit beigefarbener Wanderhose, hellblauem Shirt und fest geschnürten Wanderschuhen ging ich neben Stefanie auf den teils rutschigen Planken des Moor-Wanderweges entlang. Ich brauchte mich nicht anzustrengen, um mit Stefanie zu lachen oder ihr etwas zu erzählen, damit die Szenen so natürlich wie möglich wirken. Ich war einfach glücklich. Mitten in der Natur mit der wunderbaren Mission den Harz – meine Heimat – zu präsentieren. Was konnte es Schöneres geben? Stefanie ist einen Kopf kleiner als ich. Ihre dunkelbraunen Haare, die zu einem lockeren Zopf geflochten waren, bildeten einen Kontrast zu meiner offenen blonden Mähne. Sie hat genau wie ich braune Augen und wirkt zierlich in der grauen Wanderhose und dem roten Top.

Inzwischen stand die Sonne höher am tiefblauen Himmel. Wir brachen auf und fuhren nach Drei Annen Hohne, wo eines meiner persönlichen Highlights bevorstand: Eine Fahrt mit der Brockenbahn. Als zugezogener Oberharzer war das schon länger ein Traum von mir. Aufgrund des straffen Drehplans fuhren wir nur bis Schierke und anschließend wieder zurück. Aber es war großartig. Stefanie und ich streckten die Köpfe aus dem Fenster und genossen den Fahrtwind der alten Dampflokomotive. Zischend begleitete uns das Geräusch bis zur nächsten Station. Das Fröhlichsein fiel uns in diesem Moment ganz leicht. Dieses wohlige Gefühl in meinem Bauch und die Zufriedenheit, die ich verspürt habe, als ich die vorbeirauschenden Wipfel der Fichten gesehen habe, werden mir immer in Erinnerung bleiben. Einige Szenen drehten wir auch in der Bahn. Stefanie und ich sollten in eine Karte gucken und Wege mit dem Finger nachzeichnen. Jonas hatte alles im Blick, war mit der Kamera immer ganz nah dran. Es war ein tolles Gefühl, so im Mittelpunkt zu stehen. Geduldig beantworteten wir viele interessierte Fragen der Mitreisenden und schwelgten vielleicht auch ein wenig im „Star-Gefühl“.

Weiter ging es ins schöne Bodetal. Zwischen den meterhohen Schluchten und fichtenbewachsenen Felshängen kam ich mir regelrecht winzig vor. Wie zu erwarten, waren viele Touristen und Wanderer unterwegs, sodass wir uns mit den Aufnahmen beeilen mussten. Schon längst waren Stefanie und ich ein eingespieltes Team. Wir achteten gar nicht mehr auf die Kamera und auch Jonas gab fast gar keine Anweisungen. „Wir haben es wirklich noch nie erlebt, dass sich die Hauptdarsteller so gut verstehen, dass sie sich auch nach der Aufnahme noch weiter unterhalten“, lacht er. Nach einem Abstecher zur Rosstrappe, einem hoch gelegenen Aussichtspunkt im Bodetal, fuhren wir wieder zurück in die heimatlichen Gefilde und bereiteten uns am Goetheweg in Richtung Brocken auf eine Picknick- Szene vor. Stefanie und ich mussten vorab Essbares in unseren Rucksäcken verstauen und auf Jonas‘ Kommando herausziehen. Der Szene im Wortsinn den richtigen Biss zu geben, erwies sich als schwieriges Unterfangen. Bis alles passte, musste ich zehn Mal in frische Käsebrote beißen – die sich dann, unsichtbar für die Kamera, hinter unseren Rücken stapelten. „Wer isst die denn anschließend alle auf?“, fragte ich laut in die Runde. Das junge Filmteam lachte herzhaft mit. Die Anstrengung des Tages fiel langsam ab. Es war mittlerweile 19 Uhr, fast alle Szenen waren im Kasten.

Wir genossen wir den Sonnenuntergang auf dem Brocken und schwelgten zugleich in dem großartigen Erlebnis, Teil des Hexenstieg-Films zu sein und wunderbare Menschen kennengelernt zu haben. Auch eine Botschaft des Films: Wandern im Harz verbindet.

 

FB
Diese Collage fasst den Drehtag sehr gut zusammen. Danke an Andreas Lehmberg dafür.

 

 

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Mit schönstem Morgenrot fing der Tag an, mit ebenso schönem Abendrot hörte er auf – natürlich auf dem höchsten Gipfel des Harzes, dem Brocken (1.142m).

 

Das Ergebnis:

 

7 Antworten

  1. Super toller Beitrag ! Gratuliere dass du aus 500 Bewerber mit ausgesuchst wurde. Habe den Videoclip angeschaut und dass ganz ist einfach professionell gemacht. Ein Erlebnis dass man wahrscheinlich nicht mehr vergisst ! Also nochmals du hast alles richtig gemacht !

  2. Cooler Bericht … und der Film ist auch sehr schön anzuschauen. Macht echt Lust auf diese Gegend ☺

    Liebe Grüße
    Thomas

  3. Ich fühle genauso , wenn ich durch die Wälder wandere , jogge oder mit dem Fahrrad unterwegs bin.

    Ein toller Bericht , denn man auch nur so beschreiben kann , wenn man die Natur liebt.

    Gruss

    Lars

  4. Ihr Kommentar wartet noch auf Moderation.
    Ich fühle genauso , wenn ich durch die Wälder wandere , jogge oder mit dem Fahrrad unterwegs bin.

    Ein toller Bericht , denn man auch nur so beschreiben kann , wenn man die Natur liebt.

    Gruss

    Lars

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