5 Zillertaler Bergtouren für Flachlandtiroler

5 Zillertaler Bergtouren für Flachlandtiroler

Wenn man einem Österreicher erzählt, dass man auch aus den Bergen kommt, erntet man höchstwahrscheinlich ein leises Schmunzeln. Während wir mit Stolz erfüllt unseren höchsten Harzer Berg, den Brocken mit seinen 1.142 m, schwitzend erklimmen, liegen im Alpenland unzählige Dörfer auf dieser Höhe. Das tägliche Leben findet dort oben statt, wo der Sommer eher kurz ist und im Winter viel Schnee fällt. Als Gast der Region merkt man schnell „Jeder Schritt ist irgendwie anstrengender als in heimischen Gefilden.“ Der Hundepapa, Barney und ich haben das am eigenen Leib spüren dürfen, als wir zwei schöne Septemberwochen im Zillertal in Österreich verbringen durften. Unsere Ferienwohnung lag in Zellberg, dem Nachbarort von Zell am Ziller, direkt am Berghang auf über 1.000 Metern Höhe. Obwohl wir Balkon und Garten hatten, kamen die täglichen Gassi-Runden natürlich auch nicht zu kurz. Und das hat man deutlich gemerkt: Jedes Stück bergab musste man später auch wieder bergauf. Doch die Aussicht wollte keiner von uns missen. (Reisetipp: Haus Anita in Zellberg)

 

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Die Aussicht von unserem Balkon war wirklich gigantisch. Wir haben oft dick eingemummelt draußen gesessen und ins Tal geschaut.

 

 

Da der Hundepapa zur Zeit erst wieder im Konditionsaufbau ist und darüber hinaus einige Kilos verloren hat, stand von Anfang an fest, dass wir keine hochalpinen und alpinen Bergtouren machen werden. Mich hat es zugegeben beim Anblick der hohen Gipfel doch sehr gekribbelt, aber im Jahresurlaub auf getrennten Wegen gehen, finde ich auch nicht gut. Somit haben wir sehr gute Kompromisse gefunden, bei denen es wärmer um mein Wanderherz wurde, Barney körperlich und geistig ausgelastet wurde und der Hundepapa mal ein wenig an seine Grenzen gehen konnte, ohne den Spaß am Wandern zu verlieren. Und zwischendurch haben wir doch tatsächlich auch mal Dinge gemacht, zu denen man nur im Urlaub Zeit hat: Viel geschlafen, ausgiebiges Sightseeing und kleinere Road Trips. Zufällig sind wir auf insgesamt 5 Wandertouren gekommen, die ich dir nicht vorenthalten möchte. Es sind Touren, die dir wunderschöne Ausblicke und abwechslungsreiche Wege versprechen. Darüber hinaus ist jede Tour auch für nicht geübte Wanderer machbar. Der Hundepapa hat bis vor 3 Jahren am flachen Niederrhein gelebt, bis vor kurzem ein paar Pfunde zuviel und hat sich hier im Harz meistens gesträubt mit auf Tour zu kommen. Er hat die 5 Bergtouren super gemeistert – dann schaffst du das auch!

 

Tour 1: Rund um den Talbach-Wasserfall (4,2 km)

Zur allerersten Wandertour kamen wir ganz zufällig. Wir hatten den Vormittag mit Besorgungen und „Im-Auto-herumfahren“ verbracht und gegen 14 Uhr meinte ich zum Hundepapa: „Du, der Hund muss heute aber echt noch ne Runde Gassigehen!“. Wir haben also spontan unser beliebtes und bekanntes „Harz-Entdeckungsmuster“ angewandt und sind von irgendeinem Ort aus in irgendeine Dorfstraße gefahren und haben auf einem irgendeinem Wanderparkplatz geparkt. So führte uns der Zufall in den kleinen Ort Laimach zwischen Zell am Ziller und Hippach. Wir parkten am Jausenstüberl Talbach (Brandach 218 in Leimach) und genossen schon mal gleich den schönen Blick aufs idyllische Zillertal. Zunächst sah es ganz und gar nicht danach aus, als ob der Weg was für uns wäre, denn da, wo wir eigentlich abbiegen wollten, ging nur ein Kletterstieg entlang (der allerdings sehr beliebt sein soll, aber ich habe damit leider noch keine Erfahrungen machen dürfen). Ein Stückchen weiter die Wiese runter, fiel uns allerdings ein weiterer gelber Wegweiser ins Auge, der einen Rundwanderweg ankündigte. „Boah cool!!!“, sagte ich sofort und der Hundepapa verdrehte skeptisch die Augen. Leider war mit keiner Zahl erwähnt, wie weit der Weg ist bzw. wie lange man läuft (in Österreich wird die Wanderzeit angegeben und nicht die Restkilometer – daran mussten wir uns erst gewöhnen). „Ach komm, wenn es zu steil oder zu anstrengend wird, drehen wir halt wieder um“, ermutigte ich ihn und auch Barney wollte endlich los.

 

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Wir befinden uns auf dem Parkplatz der Jausenstation. Links hinter dem Tipi beginnt der Klettersteig. Zum Rundwanderweg geht es rechts vor den gelben Wegweisern ein Stück die Wiese runter.

 

Im weiteren Verlauf war der Rundweg super ausgeschildert. Schon nach ein paar Metern erreichten wir den Talbach, den Grenzbach zwischen den Gemeinden Hippach und Zellberg, der uns fortan begleitete. In engen Serpentinen nahmen wir die ersten Höhenmeter in Angriff. Barney lief frei, sprintete vor und kam dann immer wieder zurück gerannt zu uns – so nach dem Motto „Wo bleibt ihr denn?“. Der Hundepapa fand sein eigenes Tempo und mit kleinen Verschnaufpausen hat das super geklappt. Das Rauschen des Wasserfalls wurde immer lauter – wir konnten das Wasser schon sehen, wie es sich wild und unbändig in die Tiefe stürzte. Direkt im Fels am Wasser – mit viiieeel zu viel Abgrund darunter für meinen Geschmack – verlief der Klettersteig. Auch er sollte fortan ein ständiger Begleiter sein, aber wir waren froh, festen Boden unter den Füßen zu haben. Immer weiter ging es hinauf. Nach dem Trail folgten Eisentreppen – viele Eisentreppen! Rechts von uns rauschte das Wasser mit unbändiger Kraft. Bis vor kurzem hatte es noch geregnet, sodass die Felswände vor Nässe tropften und der Talbach scheinbar noch mehr Wasser führte. Ich dachte beim Hochstapfen der Stufen darüber nach, welchen weiten Weg das Wasser schon hinter sich hat. Irgendwo aus den Tuxer Bergen muss es herkommen. Faszinierend, wie beständig Wasserfälle und Bäche sind und wie eisern sie sich über eine gewisse Zeit ihren Weg durch das schroffe Gestein bahnen. Angekommen am obersten Stück, konnten wir einen Blick über einen großen Felsen werfen und sahen den eindrucksvollen Wasserfall in voller Schönheit – wildromantisch und einzigartig. Von dort aus liefen wir durch den Wald, über eine Almwiese (ausgeschilderter Wiesenwanderweg) bis zum Dorfrand von Laimach zurück, überquerten die Hauptstraße und gingen ein Stück an der Uferpromenade am Ziller entlang. Hier ist es richtig flach, aber deshalb auch bei vielen Joggern, Spaziergängern und Hundeleuten beliebt. Barney musste daher leider ab dem Ortsrand an der Leine bleiben. Vom Ziller aus bogen wir schließlich wieder nach links ab und mussten den letzten Anstieg meistern, der uns zum Parkplatz an der Jausenstation führte.

 

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Ich konnte es doch nicht lassen – etwas klettern musste ich schon. Allerdings immer in Bodennähe. Ich wage mal zu behaupten, dass dieser Abschnitt der Einsteigerteil ist.

 

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Schon vom Serpentinenstück aus, hat sich der Ausblick gelohnt.

 

 

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Für Barney waren die Stufen am rauschenden Bach ein Klacks. Siehst du ihn direkt?

 

 

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Eindrucksvoll, nicht wahr?

 

 

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An diesen schroffen Felsen führt der Klettersteig entlang.

 

 

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Wiesenwege findet Barney klasse! Natürlich haben wir jedes Häufchen entsorgt und den Beutel bis zum nächsten Mülleimer mitgenommen. Fast überall wird Heu gemacht und da muss nun wirklich kein Hundekot mit drin sein.

 

 

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Die hohen Zweitausender sind leider hinter den Wolken, aber auch im Tal kannst du super laufen – endlos von Dorf zu Dorf.

 

 

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Unten am Ziller kam sogar direkt nochmal die Sonne raus.

 

 

Die Tour im Überblick:

Strecke: 4,19 km

Rundweg: ja

Dauer: 1 Stunde

Schwierigkeit: mittel aufgrund der Treppen und teils steilen Ansteige

Höhenmeter: 100 m rauf und 150 m runter

 

Talbach2

 

 

 

Tour 2: Der Jodelweg von der Königsleitenspitze (9,2 km)

Besonders als Sommertour empfehlenswert ist der Abstieg von der Königsleitenspitze ins Almdorf Königsleiten auf dem sogenannten Jodelweg, der auch familientauglich ist (und hundetauglich sowieso). Zunächst sind wir über den Gerlospass nach Königsleiten auf 1.600 m Seehöhe gefahren und haben direkt bei der Dorfbahn Königsleiten geparkt. Das Dorf ist im Sommer richtig beschaulich und nicht überlaufen. Fast so, als würde es sich noch im Winterschlaf befinden. Im Winter ändert sich dieses Bild bestimmt schlagartig, denn eine Après Ski Hütte neben der anderen lädt zum Feiern ein. Unser Zwischenziel heute war allerdings die Königsleitenspitze, der Hausberg des Dorfes. Dorthin gebracht wurden wir mit der Dorfbahn über eine Zwischenstation bis zur Bergstation auf 2.200 m. Erwachsene zahlen für eine Bergfahrt 10 Euro (mit Gästekarte 9 Euro), Barney durfte kostenlos mit. Es war seine allererste Seilbahnfahrt und wir waren mindestens so aufgeregt wie er – typisch Hundeeltern irgendwie. Er hat es aber prima gemeistert – nur das Einsteigen fand er blöd. Die Gondeln bewegen sich in der Station ja trotzdem weiter, wenn auch langsam. Der Hundepapa war schon drinnen, ich stand noch draußen und Barney wäre nie freiwillig in dieses gruselige Ding gestiegen (womöglich kommt die Hundemama auch gar nicht hinterher – oh Gott!). Der Hundepapa hat ihn schließlich am Geschirr reingezogen und als ich dann auch drinnen war, war alles wieder gut. Nächstes Mal steige ich zuerst ein, damit er mir folgen kann – Mamakind eben. Nach dem huckeligen Anlauf wurde es außerhalb der Talstation wesentlich ruhiger und wir drei konnten die Fahrt genießen. Barney hat ganz interessiert aus der bodentiefgläsernen Kabine geschaut und etliche Meter unterhalb Kühe und Menschen beobachtet.

 

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Es war so niedlich mitanzusehen, wie er alles aufmerksam beobachtet hat.

 

 

Mit Erreichen der Mittelstation auf ca. 2.000 m fing der Schnee an, juhu! Stück für Stück, Höhenmeter für Höhenmeter, fuhren wir hinauf in eine wunderschöne Winterwunderwelt. Trotz des miesen Sommers in Deutschland freute ich mich riesig auf den Schnee. Es war zudem noch recht warm, die Sonne schien und selbst in den Höhen reichte mein Merino-Shirt und eine dünne Softshelljacke locker aus. Wie ein gerader Strich zog sich an den Hängen die Baumgrenze entlang. Auch wenn wir in einem Mittelgebirge wohnen und das Brockenwetter locker mit dem Klima eines Zweitausenders vergleichbar ist, macht die alpinistische Bergwelt einen noch erhabeneren Eindruck auf uns. Die Alpen haben einfach eine ganz andere Dimension – hier wurde echte Bergsteiger-Geschichte geschrieben und hier gibts an jeder Ecke waghalsige Trails und atemberaubende Ausblicke. An der Bergstation verlief der Ausstieg ganz fix. Barney war froh über den festen Boden unter seinen Pfoten. Mit Sonnenbrille traten wir hinaus in diese weite weiße Welt. Es war unbeschreiblich, auch wenn die laute Musik aus den Lautsprechern des Restaurants „Gipfeltreffen“ den Eindruck etwas getrübt hat. Hütten finde ich super, aber Hütten-Gaudis oder Partymusik haben für mich auf Berggipfeln nichts zu suchen. Schnell sind wir dem Trubel entflohen. Von der Bergstation aus haben wir den letzten Kilometer zum Gipfelkreuz in Angriff genommen. Da oben wurde es auch schon etwas ruhiger. Das Kreuz steht auf 2.315 m und wir sind durch den glitzernden Schnee gestapft. Das war so herrlich! Das Gipfel-Selfie durfte auch nicht fehlen, doch dann hat es uns auf den Jodlerweg gezogen.

 

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Auf dem Weg zum Gipfelkreuz: Barney als König der Welt!

 

 

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Ist die Bergwelt nicht traumhaft?

 

 

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Eineinhalb Gipfelstürmer auf der Königsleitenspitze (2.315 m)

 

 

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Im Sommer stehen die Lifte still, bevor sie im Winter wieder die Ski-Touristen auf den Berg befördern. Im Hintergrund ist der Durlaßboden-Speicher zu sehen.

 

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Mich juckt es in den Wanderfüßen, wenn ich dieses Panorama sehe…

 

 

Der Jodelweg, genauer gesagt der erste Jodelwanderweg der Welt (!), beginnt direkt an der Bergstation. Schon von dort aus wird man „abgeholt“, die gelben Tafeln weisen den richtigen Weg. Außerdem wartet dort die erste Jodelstation auf dich. Du hast die Wahl und kannst direkt bergab Richtung Königsleiten gehen und dabei die ersten Jodelstationen auslassen oder vorab einen kleinen Schlenker um ein Speicherbecken machen (lohnt sich!). Der Jodelwanderweg ist nach dem Motto aufgebaut „Jeder kann jodeln“ und du hast die Möglichkeit, per Erklärungen, Audio-Wiedergaben von Jodlern und Infotafeln das Jodeln zu erlernen. Besonders für Kinder und jung gebliebene Erwachsene aka Spielkinder, sind die 8 Stationen eine tolle Gelegenheit zum Spielen und Ausprobieren. Fast überall kann man reinkriechen oder draufsteigen – so sorgen eine überdimensional große Lederhose oder ein riesiges Stück Käse für den einen oder anderen Schmunzler. Zuviel möchte ich allerdings nicht verraten, damit du es selber ausprobieren kannst. Für uns war der Weg eine richtig gelungene Kombination aus tollen Wanderwegen, fantastischen Ausblicken und einem schönen Einblick in die österreichische Kultur. Unterwegs haben wir öfter Rast gemacht und jede Station ausgiebig erkundet. So hat der eigentlich nur 7 km lange Abstieg gut drei Stunden gedauert. Aber was solls? Das Wetter war gut und wir hatten keine Eile – hinterher gab es für den Hundepapa und mich allerdings einen scheußlichen Gesichtssonnenbrand. Dank unserer Sonnenbrillen sahen wir die nächsten Tage aus wie Eulen…

 

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In dieser Kuhglocke hängen ganz viele kleine Kuhglocken in unterschiedlichen Tönen (die Kuhglockenorgel). Damit kann man einen Jodler per Anleitung nachspielen.

 

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Der Schlenker mit Station 2 (Kuhglocke) und 3 (Riesen-Alphorn) lohnt sich auf jeden Fall. Dieser Teil ist kinderwagentauglich und bequem zu laufen trotz ein paar Steigungen.

 

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Das Riesen-Alphorn ist wirklich riesig. Auch hier lernst du was über das Leben in den Bergen.

 

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Der Speicher war schnell umrundet. Barney hat es sich nicht nehmen lassen, ein Bad im eiskalten Wasser zu nehmen.

 

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Aber nur mit den Pfötchen… ;-)

 

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Siehst du, wie klar man die Schneegrenze erkennen kann?

 

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Die Kühe genossen da noch das letzte Grün auf den Berghängen. Der Almabtrieb stand kurz bevor. Nach uns kamen Touristen, die sich zu dieser Kuh knieten und ein Selfie nach dem anderen machten. Wir konnten nur mit dem Kopf schütteln. Weiter unten im Tal trafen wir einen Bauern, der gerade eine ausgebüchste Kuh wieder auf die Weide trieb. Der Hundepapa half sogar beim Öffnen des Zauns, während ich mit Barney selbstverständlich Abstand hielt. Hinterher haben wir uns noch ein Weilchen mit ihm unterhalten und ihm von dieser Kuh-Mensch-Begegnung erzählt. Er sagte, dass sie ihre Kühe danach aussuchen, wer auf die Almen darf und wer sicher im Dorf bleiben muss. Die freilaufenden Kühe auf den Bergen, denen man oft beim Wandern begegnet, hätten eine sehr hohe Toleranzschwelle und wären bei Besuchern schon total abgestumpft. Wir finden es allerdings trotzdem nicht in Ordnung, fremde Tiere anzufassen – vergangene Kälberzeit hin oder her. Wir gehen weiterhin unseren großen Bogen um die Tiere und lassen auch keinen Müll zurück.

 

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Kann es einen schöneren Platz für eine Pause geben? In diesen Momenten würde ich gern die Zeit anhalten können…

 

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Super schöne Trails, ausreichend beschildert und kaum Mitwanderer unterwegs – so lieben wir es!

 

 

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Wandern ist harte Arbeit sag ich dir!!!

 

 

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Ich glaube, Tiere genießen solche Momente genauso wie wir…

 

 

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Der Durlaßboden-Speicher ist beim Abstieg in voller Länge zu sehen. Auf dem Damm ganz rechts waren wir ein paar Tage vor unserer Königsleiten-Wanderung.

 

 

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Ich hätte noch stundenlang weiter wandern können, aber Königsleiten war bald erreicht.

 

 

Die Tour im Überblick:

Strecke: 9,19 km

Rundweg: nein

Dauer: 1 Stunde, 53 Minuten (reine Gehzeit) – mit Pausen 4 Stunden

Schwierigkeit: leicht-mittel

Höhenmeter: 90 m rauf und 690 m runter

 

 

Jodelweg1

 

 

 

Tour 3: Vom Zwölferkopf über den Tunnelweg nach Pertisau am Achensee (7,36 km)

 

So langsam fand der Hundepapa auch Gefallen an unseren „Bergtouren rückwärts“ – also dem Hochfahren mit der Seilbahn und dem anschließenden Runterwandern. Barney und mir war es letztendlich egal – hauptsache laufen. Noch voller Euphorie von der Königsleitenspitze, sind wir an einem sonnigen Morgen zum Achensee gefahren. Ab Mittag sollte es regnen, also wollten wir den Vormittag bestmöglich nutzen. Wenn du schon mal in Österreich warst, wirst du sicher gemerkt haben, dass, wenn es einmal regnet, es auch dauerhaft regnen kann… Vom touristischen Pertisau aus nahmen wir die Karwendel-Bergbahn auf den Zwölferkopf (1.491 m). Für die Bergfahrt haben wir pro Person 11,50 Euro bezahlt und mussten unsere Kabine mit einem jungen Wanderpärchen teilen. Ich saß, die anderen drei standen und Barney lag auf dem restlichen Stückchen Boden. Diesmal war er richtig entspannt und hatte auch mit dem Ein- und Aussteigen keine Probleme. Der Hundepapa und ich grinsten uns heimlich an, als wir unsere dreckigen ausgelatschen Wanderschuhe mit den komplett nagelneuen Modellen unserer Mit-Seilbahnfahrer verglichen. Die rochen noch neu. Wir vermuten, dass sie die direkt im Shop an der Talstation gekauft hatten. Oben angekommen lief ich schnell in Richtung „Ausblick“, denn Wolken und Nebel zogen auf und versperrten nach kurzer Zeit leider komplett die Sicht auf den türkisblauen Achensee. Eigentlich wollten wir im Alpengasthof Karwendel eine Buttermilch trinken, haben uns aber aufgrund des Wetters und der Preise doch dagegen entschieden.

 

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Der Achensee am Morgen

 

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Morgens ist noch niemand unterwegs – meine Lieblingswanderzeit.

 

 

Wir hatten vor der Bergfahrt keine Idee, welchen Weg wir einschlagen sollten. Aber runter kommt man immer, richtig? Direkt gegenüber der Bergstation gab uns eine riesige Infotafel mit eingezeichneten Wegen und Markierungen einen Überblick. Da ich wegen der mangelnden Achensee-Ausblicke zum Schluss noch etwas an der Promenade entlang gehen wollte, entschieden wir uns für eine Kombination aus drei verschiedenen Wegen. Dabei haben wir allerdings das Rad nicht neu erfunden, sondern unwissend aus einem bestehenden Tourenvorschlag auf der Homepage der Bergbahn gewählt. Dort heißt es: „Nach der Einkehr im Alpengasthof Karwendel folgen Sie dem Rundwanderweg (Nr. 4) gegen die Uhr bis zur Skipiste. Dort biegen Sie scharf rechts ab in den Tunnelweg (Nr. 7). Dieser gabelt sich zum Ende der Strecke. Sie können zwischen dem Abstieg zur Rodelhütte oder dem Besinnungsweg (Nr. 5) folgen wählen. Gehzeit: ca. 1,5 h“ (Quelle: Karwendel-Bergbahn). Wir haben nur „Tunnelweg“ gelesen und dachten: „Cool, den gehen wir!“ Der besagte Weg war auch klasse – schöne Trails, tolle Ausblicke (wenn auch nicht auf den Achensee) und ein schickes Höhlentunnel-Stück. Barney musste leider fast durchgängig an der Leine bleiben, da uns immer wieder Wanderer entgegen kamen. Da war es auch schon schwierig, mal ein stilles Örtchen zu finden… Meine beiden Männer haben es da echt einfacher. Unsere Buttermilch haben wir auf halber Strecke in der Rodlhütte getrunken – eine urige Hütte, aber leider auch überlaufen. Bis dahin schleppen sich viele Gelegenheitswanderer und Rentner hoch. Barney war natürlich der Blickfang schlechthin. Unter anderem sprach uns eine Frau an, die früher auch Schäferhunde (aber deutsche) gezüchtet hat und fragte, ob sie von ihm ein Foto machen dürfte. Klar! Im Gefolge hatte sie ihren Mann oder Lebensgefährten. Der sprach uns dann auch nochmal an und fragte nach Barneys Rasse. „Das ist ein Weißer Schweizer Schäferhund“ antwortete der Hundepapa freundlich. „Hä? Wo kommt der her?“, fragte der Mann. „Aus der Schweiz!“ Der Mann dachte nach und erwiderte: „Aus der Schweiz kommen doch diese Bernhardiner mit dem Fässchen um den Hals“.

 

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Ein bisschen türkisblaues Wasser sieht man…

 

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Die Karwendel-Hütte in den Wolken

 

Im Großen und Ganzen war der Weg schön, aber er hat mich nicht vom Hocker gehauen. Wegen der Wettervorhersage haben wir auf eine große Schleife zu anderen Hütten und Berggipfeln des südöstlichen Karwendel-Gebirges verzichtet. Das war auch ganz gut, denn schon auf dem Besinnungsweg, der übrigens sehr liebevoll gestaltet ist (auch wenn man sich erst erschreckt, wenn auf der rechten Seite plötzlich eine überlebensgroße Jesu-Statue steht…), fing der Himmel an, seine Schleusen zu öffnen. An der Uferpromenade des Achensees dann wieder kurze Beruhigung, bis wir beim Auto waren. Auf der Rückfahrt fing es richtig an zu regnen – also alles richtig gemacht.

 

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Leider wurde der Nebel immer dichter und es zog sich zu.

 

 

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Der Tunnelweg macht seinem Namen alle Ehre – sonst wären wir womöglich auch enttäuscht gewesen…

 

 

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Trails soweit das Auge reicht… Nach einem kurzen Stück Freilauf musste Barney wieder an den Bauchgurt. Die nächsten Wanderer kündigten sich schnaufend an.

 

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An der Rodlhütte war die Sicht kurzzeitig besser.

 

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Kaffee und Buttermilch with a view…

 

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Auf dem Besinnungsweg gibt es einiges zu entdecken. Viele Holzskulpturen lassen dich mit ihren Botschaften innehalten.

 

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Barney war sauer, dass ich ihn an der Leine hatte. Er wäre so gerne baden gegangen…

 

 

Die Tour im Überblick:

Strecke: 7,36 km

Rundweg: nein

Dauer: 1 Stunde, 49 Minuten reine Gehzeit

Schwierigkeit: mittel (bei Regen teilweise rutschig)

Höhenmeter: 0 m rauf und 540 m runter

 

 

Pertisau

 

 

 

Tour 4: Bergtour zur Grawandhütte und retour (11,2 km)

 

Der Hundepapa war als Kind – laaaange bevor er dran gedacht hatte, jemals Hundepapa zu werden – im Österreich-Urlaub in Mayrhofen und hatte sogar eine richtige Hüttentour (von Hütte zu Hütte) mit seinen Eltern gemacht. Eine Tour zur relativ einfach zu erreichenden Grawandhütte war quasi eine Herzensangelegenheit für ihn, denn auch da hatte er früher übernachtet. Am frühen Vormittag machten wir uns auf den Weg ins Bergsteigerdorf Ginzling, wo wir am Alpengasthaus Breitlahner gegen eine überschaubare Parkgebühr (2 Euro pro Tag) unser Auto abstellten, die Rucksäcke schulterten und den gelben Wegweisern durch den malerischen Zemmgrund in Richtung Grawandhütte auf 1.636 m folgten. Der Hochgebirgs-Naturpark wird auf 400 Quadratkilometern gehegt und gepflegt – grobe Eingriffe sind verboten zum Schutz der Natur. Diese Ursprünglichkeit spürt man bei jedem Schritt. Ich atmete die würzige klare Bergluft ein, blinzelte zufrieden gegen die Sonne und stapfte mit den Händen am Rucksackriemen entspannt vor mich hin. Wir hatten Glück, denn Mitte September haben alle Hütten noch geöffnet. (Die Grawandhütte schließt am 7. Oktober 2017 und ist ab Mai 2018 wieder geöffnet, von März bis April nur eingeschränkt geöffnet).

 

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Das Alpengasthaus Breitlahner liegt bereits richtig idyllisch im Zemmgrund und ist perfekter Ausgangspunkt für Wanderungen.

 

 

Die wenigen Mitwanderer hingen wir zu Beginn schon ab (oder sie uns), sodass wir den Weg ganz für uns alleine haben. In den letzten Tagen ist die Schneefallgrenze auf 1.200 m gesunken. Davon merken wir noch nichts, haben aber noch gut 400 Höhenmeter vor uns. In der Ferne ragten die Zillertaler Berge mit ihren schneebedeckten Kuppen imposant in die Höhe. Selbst die richtigen Bergsteiger-Legenden wie Reinhold Messner und Peter Habeler nutzten die Dreitausender für Akklimatisierungstouren vor ihren Everest-Abenteuern. Wir sind froh, da nicht rauf zu müssen. Der Hundepapa deutete auf diverse dunklere Streifen auf den weißen Berghängen. „Da sind überall schon Lawinen runtergekommen.“ Kein Wunder, denn die letzten drei Tage hatte es nur geregnet und in den Höhenlagen dementsprechend geschneit. Die Temperatur war bei unserer Wanderung nun schon wieder frühlingshaft bei etwa 8 bis 15 Grad und die Sonne brannte zeitweise ganz schön vom Himmel – da schmilzt der Schnee auf den Bergen recht fix, zumal das Gestein selbst ja noch nicht ganz so kalt ist. Wir guckten uns die Sache lieber von weiter unten an. Der Zemmgrund war wirklich beeindruckend. Auf unserer linken Seite sahen wir riesige Felsblöcke – oft größer als Einfamilienhäuser. Völlig willkürlich waren sie angeordnet. Der üppige Bewuchs von Gräsern und Moos ließ nicht mehr darauf schließen, dass vor etlicher Zeit genau an dieser Stelle mal eine heftige Erosion stattfand. Es ist immer wieder erstaunlich und beruhigend, wie sich die Natur alles zurückholt.

Barney lief vor mir am Geschirr mit Jöringleine und Bauchgurt verbunden. Bergauf macht sich das sehr positiv bemerkbar, weil ich von seiner Zugkraft profitiere. Außerdem hieß es zu Beginn auf dem Anfangswegweiser, dass Hunde an der Leine zu halten seien. Die Fortbewegung im „Dogtrekking-Stil“ ist bei sowas für mich immer noch die beste Möglichkeit. So hat man nämlich auch wunderbar die (Foto-)Hände frei… Während der ersten Kilometer begleitete uns der Zemmbach. Vom vielen Regen und der beginnenden Schneeschmelze gespeist, glich er einem tosenden Wildbach, der sich sanft durch die tiefgrüne Ebene schlängelte. Bald ging der Weg nach links ab und führte uns in leichten Serpentinen kontinuierlich auf breiten Schotterwegen den Berg hinauf zur Grawandhütte. Oben angekommen erwartete uns deutlich weniger Schnee als geplant. Die Sonne schien nun – nach anfänglichem Zögern – mit voller Kraft vom wolkenlosen Himmel und nahm uns die Entscheidung ab, ob wir auf der kleinen Sonnenterrasse Platz nehmen oder reingehen sollten. Barney ließ sich mitten im Weg auf den Boden fallen und freute sich über Wasser und einen kleinen Kausnack. Für uns gab es Eiskaffee, Erdbeerbuttermilch und Apfelstrudel. Wir erkundigten uns nach dem weiteren Wegverlauf, weil wir die Tour gerne noch etwas ausgeweitet hätten zur Berliner Hütte (ca. 30 Minuten Gehzeit), aber die Grawandhütten-Dame hat uns davon abgeraten, weil akute Lawinengefahr herrschte. Wir mussten natürlich nicht lange überlegen und machten uns nach einer längeren Pause auf den Rückweg ins Tal. Wir sind keine Alpinisten und können die Gefahren in den Bergen nicht einschätzen, sodass Umkehren die einzig richtige Möglichkeit war. Der Rückweg war mindestens genauso schön. Die Sonne hatten wir diesmal im Rücken und beschlossen spontan, am Zemmbach zwischendurch noch eine Pause einzulegen. Wir saßen im weichen Gras und Barney musste unbedingt baden gehen. Wir blieben so lange sitzen, bis die Sonne hinter den hohen Berggipfeln verschwunden war, zogen uns dann die Jacken wieder an und nahmen den restlichen Weg zurück zum Auto in Angriff.

 

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Der Zemmbach begleitete uns während der halben Strecke vom Breitlahner zur Grawandhütte.

 

 

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Barney verspürte schon vorher sein eigenes „Gipfelglück“.

 

 

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Da gaaaanz hinten müssen wir hin. Der erste Teil der Strecke verläuft ohne Steigung durch das Tal.

 

 

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Der Zemmbach und seine Ausläufer bahnen sich den Weg durch den Zemmgrund.

 

 

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Stück für Stück geht’s immer höher.

 

 

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Blick nach hinten: Durch dieses Tal sind wir gelaufen.

 

 

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Leben am Abgrund… (Pssst, so steil ging es in Wirklichkeit nicht runter – Perspektive machts… ;-))

 

 

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Fast geschafft!

 

 

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An der Hütte angekommen, riss der Himmel auf und bescherte uns eine schön sonnige Mittagspause.

 

 

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Barney entspannte sich mitten im Weg in der Sonne. Hinter ihm siehst du Schnee!

 

 

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Die Tour im Überblick:

Strecke: 11,2 km

Rundweg: nein (Hin- und zurück)

Dauer: 2 Stunden, 21 Minuten reine Gehzeit

Schwierigkeit: leicht-mittel

Höhenmeter: 410 m rauf und 360 m runter

Grawand

Tour 5: Wandern auf dem Easy Trail zwischen Hippach und Mayrhofen

 

Pläne sind oft dazu da, im letzten Moment über den Haufen geworfen zu werden. Schlimm ist das aber nicht – im Gegenteil. Unser Wandertag fing schon verspätet an. Wir konnten zum ersten Mal im Urlaub auf dem Balkon frühstücken und ließen uns dementsprechend Zeit. Unser Plan für den Tag war, den „Easy Trail“ zwischen Hippach und Mayrhofen zu laufen, ein 24 km langer Rundweg mit sehr wenig Steigung, der auch für Anfänger sehr gut geeignet ist. Den Hundepapa konnte die Distanz aber trotzdem nicht begeistern. Wir sind so verblieben, dass wir zu dritt von Hippach nach Mayrhofen wandern würden, der Hundepapa von da mit dem Bus zurückfährt und Barney und ich zurücklaufen. Sowohl das Dogtrekking Harz Anfang Oktober als auch der Strong Dog Ende Oktober standen bevor und da wäre es eine tolle Übung. (Hier findest du nützliche Informationen)

Letztendlich sind wir erst gegen 14 Uhr an den Start gegangen. Wir haben wieder bei der Jausenstation Talbach in Laimach (Ausgangspunkt Tour 1) geparkt und sind mit vollem Rucksack vom Parkplatz aus gestartet – dieses Mal in die andere Richtung die Straße berghoch. Du kannst natürlich an jedem beliebig anderen Teilstück starten – Rundtour sei Dank! Die „Easy Trail“ – Schilder führten uns in Richtung Mayrhofen. Den ersten Abschnitt kannten wir bereits von unserer Talbach-Wasserfall-Tour, aber danach ging es zum Glück sehr traillastig weiter – super! Viele Quellen luden uns ein, einen Schluck des eiskalten Bergwassers zu kosten und auch für Barney war es eine willkommene Erfrischung. In Hippach angekommen, mussten wir leider auf einer Straße entlang bis runter in den Ort. Ab da sollte der Weg am Ziller Richtung Mayrhofen führen – immer entlang der beliebten Promenade. Auf einmal verloren wir die Beschilderung aus den Augen. Wir mussten einen Abzweig verpasst haben und liefen orientierungslos durch den Ort. Erst da haben wir dann herausgefunden, dass wir uns den GPS-Track vorher in unsere Wander-App komoot laden konnten. Half uns dann nur auch nicht mehr weiter… Zu dem Zeitpunkt umgab uns allen dann plötzlich eine Stimmung aus Erschöpfung, Gnatzigkeit, Müdigkeit und Hunger. Dem Hundepapa war zudem noch viel zu warm und auch Barneys Zunge hing quer aus dem Maul. Wir haben dann beschlossen, uns selber einen Weg zum Ziller zu bahnen und sind an der Uferpromenade ganz entspannt wieder zurück nach Laimach zum Auto gegangen. Mit dem Easy Trail haben wir allerdings noch eine Rechnung offen…

 

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Eigentlich ist die Beschilderung gut… Eigentlich…

 

 

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Blick auf Laimach

 

 

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Unter einer Brücke am Ziller

 

 

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An der Uferpromenade des Zillers liefen wir wieder Richtung Laimach.

 

 

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Blick auf Hippach

 

 

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Barney hatte auch keine Lust mehr…

 

 

Die Tour im Überblick:

Strecke: 7,77 km

Rundweg: ja

Dauer: 1 Stunde, 38 Minuten reine Gehzeit

Schwierigkeit: leicht

Höhenmeter: 60 m rauf und 120 m runter

Easy

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