Lac Blanc und Lac Noir: Bergseen mit Überraschungseffekt

Lac Blanc und Lac Noir: Bergseen mit Überraschungseffekt

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Je nach Lichteinfall schimmert das Wasser in leuchtendem Türkis, malerischen Blau oder dunklem Schwarz. Wenn die Wolken über diesen Talkessel ziehen, veranstalten sie ein interessantes Spiel mit dem Licht. An der einen Stelle, wo man bis vor kurzem noch bis auf den Grund blicken konnte, klafft nun ein dunkles Nichts. Doch diese Farbunterschiede sind bei Weitem nicht das einzig Besondere an diesen Bergseen.

Wir befinden uns in Frankreich. So ziemlich genau im südlichen Teil des Zentralelsass oder im nördlichen Bereich des Südelsass. Die Grenzen legt jeder Reiseführer und jede Internetquelle anders aus. Fakt ist, dass wir etwa 30 bis 40 Kilometer westlich von Colmar, der drittgrößten Stadt im Elsass (nach Strasbourgh und Mulhouse), entfernt sind. Der Lac Blanc („Weißer See“) und der Lac Noir („Schwarzer See“) sind eiszeitliche Gebirgsseen inmitten der wunderschönen Landschaft des Parc Naturel Régional des Ballons des Vosges (Naturpark des südlichen Teils der Vogesen).

Der Lac Blanc

Schon auf der Hinfahrt kommen wir an mehreren Gebirgspässen vorbei, die uns atemberaubende Ausblicke verschaffen. Wir nähern uns zunächst dem Lac Blanc vom kleinen Dorf Orbey kommend. An jeder Ecke weisen uns Hinweisschilder den Weg zum See. Mitte September ist es dort eher ruhig und beschaulich. Zum Winter hin öffnet das dortige Skigebiet Le Lac Blanc (Vom 4. Dezember 2015 bis 27. März 2016 kann man einen Skipass ab 20,50 Euro erwerben und auf insgesamt 14 Kilometer langen Pisten die Berge hinunterfahren). Im Sommer sind meistens Mountainbiker im angrenzenden Bike-Park unterwegs. Auf die treffen wir allerdings nur selten. Es sind jedoch viele Rennradfahrer auf den Straßen unterwegs. Nach einem weiteren Abzweig erreichen wir den Lac Blanc. Direkt am See befindet sich ein großer Parkplatz. Von Colmar aus (Bahnhof) fährt übrigens auch ein Bus zum Lac Blanc. Die Fahrt dauert etwa 50 Minuten.

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Der Lac Blanc fasziniert mit einem Spiel der Farben auf der Wasseroberfläche – je nach Lichteinfall.

Trotz einiger anderer Autos und einer Auberge (Gaststätte, in der man den elsässischen Fromage du Munter (Munsterkäse) oder Heidelbeerkuchen genießen kann) fällt direkt die angenehme Ruhe auf. Es ist komplett still in diesem Talkessel. Der 29 Hektar große Gebirgssee liegt auf 1050 Metern und wird im Westen von den Hautes Chaumes begrenzt, einer Hochebene, die am Seeufer über 100 Meter steil zum Lac Blanc abfällt. Nördlich oberhalb des Sees befindet sich der Col du Calvaire, der Pass, auf dem im Winter Ski oder Snowboard gefahren werden kann.

Seinen Namen soll der Lac Blanc vom hellen Quarzsand auf dem Grund des Gewässers haben. Wassersport ist verboten, jedoch versammeln sich einzelne Angler, um ihr Glück an den schroffen Felshängen sitzend zu versuchen. Sie strahlen eine unglaubliche Ruhe und Gelassenheit aus. Einige von ihnen scheinen regelmäßig zu kommen, denn sie steuern bereits ihren Stammplatz an.

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Der Lac Blanc strahlt Ruhe und Kraft aus. Ideal, um sich für einen Moment niederzulassen und die Stille zu genießen.

Wir halten inne und genießen den Moment der Ruhe. Hoch oben am Südufer des Sees fällt unser Blick auf eine steinerne Statue der Heiligen Jungfrau. Auf diesem Felsen soll einst das Château Hans – das sagenumwobene Schloss des Hans von Felsenstein – gestanden haben. Der Sage nach zufolge, sei der Burgherr wegen seiner Untaten samt Schloss von der Erde verschlungen worden. Ganz in der Nähe dieser Statue, die nun seinen Platz eingenommen hat, befindet sich der 1272 Meter hohe Aussichtsfelsen Belmont, von dessen Spitze man einen weitläufigen Blick haben soll. In etwa einer Stunde kann man hinaufsteigen. Wir sind jedoch unten geblieben. Der Blick auf den See hat uns auch aus der Froschperspektive gereicht.

Der Lac Noir

Ob zu Fuß über einen befestigen Wanderweg (Dauer: ca. eine Stunde) oder mit dem Auto gelangt man schließlich zum Lac Noir, dem Schwarzen See. Mit dem Auto ist der See von der D48 nur über eine kleine Seitenstraße erreichbar. Auch hier befindet sich eine kleine Gaststätte. Der Lac Noir liegt auf 950 Metern in einem bewaldeten Felskessel. Der Untergrund des Stausees ist moorig und gibt dem See seinen Namen.

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Auf dem einstündigen Fußweg am Rande des Lac Noirs gibt es an vielen Stellen schöne Ausblicke auf den See.

Das Besondere

Am nördlichen Ufer des Lac Noir befindet sich ein Turbinenhaus. Seit 1930 ist der Lac Noir an dieser Stelle durch einen Druckstollen mit dem Lac Blanc verbunden. Die beiden Seen bilden ein Pumpspeicherkraftwerk. Mit dem günstigen Nachtstrom wird Wasser vom tiefer gelegenen Lac Noir hinauf zum Lac Blanc gepumpt und tagsüber, wenn Elektrizität mehr kostet, wieder zurück. Dadurch wird Strom erzeugt.

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Durch das ständige Pumpen oder Hinablassen des Wassers sind die Pegelstände der Seen nie konstant.

Ziemlich schlau diese Elsässer. Zugegebenermaßen stören Staudamm und Elektrizitätswerk am idyllischen Lac Noir ein wenig, aber gegen natürlich erzeugten Strom haben wir nichts. Und wo sonst hat man schon mal die Möglichkeit, sich die unterschiedlichen Niveaus zweier Seen zunutze zu machen?

Zusatz-Tipp:

Die beiden Gebirgsseen sind auf jeden Fall einen Besuch wert. Wer sich die Zeit nimmt, kann nicht nur die Ruhe am Wasser genießen, sondern auch die Wanderwege nutzen und sich zu Fuß fortbewegen. Die Beschilderung ist wirklich sehr gut. Allerdings muss man sich damit abfinden, Kilometerangaben vergeblich zu suchen. Auf allen Schildern ist lediglich die Dauer des Marsches verzeichnet. Und die liegt bekanntlich ja immer im Auge des Betrachters.

 

 

 

 

2 Antworten

  1. Hallo,
    geniale Fotos bzw. Aufnahmen dieser Seenlandschaft , besonders das vorletzte
    Bild- Gratulation !

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