Winterwandern im Harz – unsere drei Lieblingstouren

Winterwandern im Harz – unsere drei Lieblingstouren

Egal ob nasskalt und grau oder feinster Schnee, der im fahlen Licht der Sonne schimmert – besonders im Winter ist es wichtig, die kurze Zeit des Tageslichts effektiv zu nutzen und raus in die Natur zu gehen. Da der Harz vor meiner Haustür liegt, bieten sich für unsere Wochenenden immer Wanderungen im sagenumwobenen Mittelgebirge an. Im Folgenden stelle ich dir drei unserer liebsten Touren vor – inklusive unserer Erlebnisse und GPX-Tracks zum Nachwandern.

Tour 1: Hinauf zur Sudmerberger Warte (Goslar)

Mit einer Länge von vier Kilometern bietet sich die erste Wanderung als Feierabend-Tour an. Du kannst allerdings auch die Gelegenheit nutzen und der Stadt Goslar, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt, einen ausgiebigen Besuch abstatten. Wenn du an der berühmten Kaiserpfalz parkst, ist es von dort aus nur noch ein Katzensprung bis in die historische Altstadt mit ihren zuckersüßen Fachwerkhäusern und Gassen.

Altstadt von Goslar im Harz
Altstadt von Goslar im Harz

Nach einem entspannten Freitag im Goslarer Büro liegt dieses schöne Gefühl von Wochenende in der Luft. Beschwingt schnappe ich mir Barney und wir brechen zu einer kleinen Feierabendtour um den 355 Meter hohen Sudmerberg auf. An der Ostflanke stand vom 11. bis 14. Jahrhundert die Sudburg am Sudburgerberg, aus dessen Name sich schließlich der Sudmerberg entwickelte. Er gehört zu den sanften Hügelketten des Nördlichen Harzvorlandes.

Vom kleinen Wanderparkplatz aus folgen wir rechts dem geschotterten Forstweg mit Hinweisschild zur Sudmerberger Warte. Barney läuft fröhlich vor mir her und genießt das sonnige Herbstwetter an diesem kühlen Tag. Der Weg steigt leicht an und schon bald wird zu unserer linken Seite ein fantastisches Panorama auf die Goslarer Stadtteile Sudmerberg, Ohlhof mit seinem Gut, Kramerswinkel und das gemächlich flacher werdende Harzvorland sichtbar. Zu unserer rechten Seite hat der Regionalverband Harz e.V. in Kooperation mit weiteren Partnern Informationstafeln zur heimischen Fauna aufgestellt. Ich bleibe kurz stehen und lese neugierig die Hinweise zu den verschiedenen Baumarten, die hier gedeihen. So erfahre ich zum Beispiel, dass früher das Samen-Mehl der Rosskastanie bei Atemwegserkrankungen von Pferden oder als Schaummittel in Feuerlöschanlagen eingesetzt wurde. Nachdenklich gehe ich weiter. Barney ist bereits an einer Weggabelung angekommen und bleibt unschlüssig stehen. Wir müssen der Hinweistafel in Richtung der Sudmerberger Warte folgen, doch der Pausenplatz mit Tisch und Bänken geradeaus vor uns sieht sehr einladend aus. Der kleine Abstecher lohnt sich, denn hier fällt der Sudmerberg leicht ab. Vor uns befinden sich lediglich ein sanfter Wiesenhang und fantastische Weitblicke in die Ebene. Barney fiept leise und ermahnt mich zum Weitergehen. Wir drehen um und folgen dem Wirtschaftsweg weiter hinauf durch den farbenprächtigen Mischwald. Im Sommer ist es hier schön schattig. An diesem Novembermittag scheint mir um 14 Uhr die tiefstehende Sonne warm ins Gesicht. Ich lächele und staune noch immer über die Diversität des Mischwaldes.

Sudmerberger Warte oberhalb von Goslar im Harz
Sudmerberger Warte oberhalb von Goslar im Harz

Der Forstweg steigt weiter an und windet sich in einer leichten Linkskurve in Richtung des höchsten Punktes. Im Gegenlicht fällt mir mein Blick auf einen steinernen Turm inmitten einer kleinen Kiefernanhöhe. Wir haben die Sudmerberger Warte erreicht und ich lasse mein Stempelheft der Harzer Wandernadel um einen Abdruck voller werden. Goslar war zu Zeiten des Bergbaus am Rammelsberg bereits im 11. Jahrhundert eine reiche und wohlhabende Stadt. Zur Verteidigung gegen die Braunschweiger Herzöge wurde ein System aus Stadtmauern und Warten errichtet, von denen heute nur noch die Sudmerberger Warte und der Maltermeisterturm oberhalb des Besucherbergwerks Erzbergwerk Rammelsberg erhalten sind. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Sudmerberger Warte militärisch zur Beobachtung feindlicher Flugzeuge genutzt. Der Kalksandstein des Sudmerbergs ist charakteristisch für die Stadt Goslar. So besteht nicht nur die Sudmerberger Warte aus diesem Gestein, sondern auch der Zwinger, das Breite Tor oder die Türme der Marktkirche in der historischen Altstadt.

Sudmerberger Warte oberhalb von Goslar im Harz
Sudmerberger Warte oberhalb von Goslar im Harz

Die Sudmerberger Warte kann über eine steinerne Wendeltreppe im Inneren bestiegen werden. Barney nimmt die Treppenstufen direkt in Angriff hält und auf der kleinen Aussichtsplattform seine Nase in den Wind. Vom 12 Meter hohen Turm genießen wir die fantastische Aussicht über das Stadtgebiet Goslars, den beginnenden Oberharz mit Brocken und das flachere Harzvorland. Fasziniert entdecke ich die beiden unterschiedlichen Türme der Marktkirche. Das Panorama ist einmalig und ich kann mich kaum losreißen.

Sudmerberger Warte oberhalb von Goslar im Harz
Sudmerberger Warte oberhalb von Goslar im Harz

Unten angekommen passieren wir den Sender Goslar mit Funkturm. Links davon führt unser weiterer Weg mitten in den Wald. Die Anhöhe des Sudmerbergs lassen wir hinter uns und gehen stetig bergab bis wir an eine weite offene Wiesenfläche mit Blick auf den Goslarer Stadtteil Oker kommen. Eine breite Holzbank lädt zum Verweilen ein, doch wir gehen weiter. Unser Weg ist inzwischen zu einem breiten Wiesenweg mit Fahrspuren geworden. Wir laufen weiter bergab und folgen dem Weg in einem gefühlten Zick-Zack. Oberhalb von Oker stoßen wir auf eine Weggabelung, an der wir links auf einen Schotterweg abbiegen. Von hier aus sehe ich die Ausläufer des Okertals. Barney hingegen stört sich nicht daran und schnuppert unentwegt am Wegesrand. Wir folgen dem Weg, der sich in einem Bogen um den Sudmerberg windet und die Sonne inzwischen vollständig verdeckt. Einen letzten kleinen Anstieg haben wir noch vor uns, bis wir auf eine bekannte Weggabelung treffen, rechts abbiegen und fast wieder am idyllischen Pausenplatz stehen. Von dort gehen wir links wieder hinab zum Wanderparkplatz, wo wir unsere Rundtour glücklich und voller Panoramablicke beenden.

Die Tour auf einen Blick:

  • Länge: 4 Kilometer
  • Höhenmeter: 160 Meter
  • Dauer: 1 bis 2 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Startpunkt: Wanderparkplatz in Goslar-Sudmerberg: Straße Bergknick in Richtung des Schützenvereins folgen, dann rechts abbiegen. Auf der linken Seite befindet sich ein kleiner Wanderparkplatz mit Platz für fünf bis sechs Autos
  • Parkmöglichkeit: direkt am Startpunkt (s. oben)
  • GPX-Track: Hier geht’s zur Tour (Klick)

Tour 2: Dreibrodesteine und Rehberger Grabenhaus

Dichte Nebelschwaden ziehen auf und legen sich mit einem kühlen Schauer um uns. Barney und ich stehen am Wanderparkplatz Dreibrode, der auch als Treffpunkt für Nationalpark-Führungen dient. Heute sind wir allerdings fast allein und starten unsere Samstagswanderung in Richtung Dreibrodesteine mit der Stempelnummer 154. Der breite asphaltierte Forstweg ist vom Parkplatz aus beschildert und wir wandern leicht bergab bis zur ersten Weggabelung. Nach rechts führt ein schmaler matschiger Weg in Richtung der Stempelstelle, den wir allerdings zunächst ignorieren und dem Werner-Grübmeyer-Weg weiter geradeaus in Richtung Siebertal folgen. Barney läuft aufgeregt hin und her und schnuppert an den Wegesrändern nach vorbeigelaufenen Hunden und Wildtieren. Von links mündet ein weiterer Forstweg in unseren, doch auch den lassen wir noch hinter uns und biegen nach knapp 100 Metern scharf rechts ab in einen Trail, der uns bergauf führt. Über eine Lichtung begleitet er uns direkt zu den Dreibrodesteinen, wo ich den ersten Stempel der Harzer Wandernadel ins Heft drücke. Einer Sage nach zufolge waren die Dreibrodesteine Brote, die zu Stein verwandelt wurden. Jede Nacht soll die Haulemutter, die im Volksmund Frau Holle genannt wird, zu den Steinen kommen und bitterlich weinen. Nur wer die Felsen wieder zu Brot verwandelt, kann sie erlösen. Wir können es leider nicht und beschließen uns weiterzugehen. Innerlich fröstele ich ein bisschen, denn der dichte Nebel in Verbindung mit dem dunklen Fichtenwald und den massiven Steinbrocken zaubert eine sehr mystische Atmosphäre. Wir folgen dem Waldweg immer geradeaus und kommen an der ersten Weggabelung heraus, an der wir uns links halten und schließlich wieder am Parkplatz stehen.

Dreibrodesteine im Nationalpark Harz
Dreibrodesteine im Nationalpark Harz

Für den zweiten Teil der Rundtour überqueren wir vorsichtig die Clausthaler Straße (L13). Wir folgen dem asphaltierten Zufahrtsweg bergab in Richtung des Rehberger Grabenhauses bis zur ersten großen Weggabelung mit Picknickplatz. Am Sonnenberger Graben führt ein schmaler wurzeliger Trail direkt hinter dem Wehr nach links in Richtung Oderteich und Sonnenberg. Links von uns befindet sich das Internationale Haus Sonnenberg mit angrenzender Sternwarte. Jährlich finden hier zahlreiche Veranstaltungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt. Die Sternwarte ist auf über 700 Metern gelegen die höchstgelegenste Sternwarte Norddeutschlands und ermöglicht – wie das Haus Sonnenberg – barrierefreien Zugang. Auf schmalen Trails mit wurzel- und steinbesetztem Waldboden wandern wir leicht bergauf durch den Nationalpark. Wir folgen dem mit einem gelben Dreieck markierten Weg 16E immer in Richtung des Oderteiches. Kaum merklich erreichen wir den höchsten Punkt unserer Tour, bevor es auf steinigen Wegen wieder leicht bergab geht. Wir sind im Nationalpark unterwegs und müssen daher den ein oder anderen Fichtenstamm umgehen. Trotz vieler kahler Flächen regeneriert sich die Natur. Ich lasse meinen Blick schweifen, sehe neues Grün und fühle das Laub der nachwachsenden Bäume. Um uns herum legt sich eine friedliche Stille.

Am Rehberger Graben im Nationalpark Harz
Am Rehberger Graben im Nationalpark Harz

An einer Weggabelung treffen wir auf den Harzer-Hexen-Stieg. Wir biegen dieses Mal nicht nach links zum Oderteich, sondern nach rechts in Richtung des Rehberger Grabenhauses ab. Dem flach verlaufenden und breiten Rehberger Grabenweg folgen wir nun weiter immer links vom Rehberger Graben entlang. Im 17. Jahrhundert wurde dieser Graben angelegt, um Wasser von der Oder nach St. Andreasberg umzuleiten, welches dort zur Energieversorgung der hiesigen Bergwerke genutzt wurde. Inzwischen ist der Grabenweg am Rehberg entlang die schönste Verbindung zwischen Oderteich und Rehberger Grabenhaus und auch für Kinderwagen bequem zu meistern. Im Tal links von uns fließt die Oder. Dahinter türmen sich die Oberharzer Berghänge und Klippen auf. Wir wandern gemütlich weiter und kommen am Goetheplatz vorbei, der 2010 vom Geoparkbeirat des Regionalverbands Harz zum „Geotop des Jahres“ gewählt wurde. Goethe blickte während seiner zweiten Harzreise bereits 1783 auf diese Gesteinswand.

Am Rehberger Graben im Nationalpark Harz
Am Rehberger Graben im Nationalpark Harz

In einem Rechtsbogen führt uns der Grabenweg mit verschiedenen Aussichten weiter in Richtung des Rehberger Grabenhauses, an dem die Zeit stillzustehen scheint. Noch heute liegt diese Bergbautradition in der Luft. Ich erfahre, wie das Wasser hier gestaut wurde, um es dann den St. Andreasberger Bergwerken zukommen zu lassen. Früher musste hier Wegezoll bezahlt werden. Inzwischen ist das Rehberger Grabenhaus eine beliebte Waldgaststätte mit schmackhaften Harzer Gerichten und Wildfütterung direkt vor der Haustür.

Rehberger Grabenhaus im Nationalpark Harz
Rehberger Grabenhaus im Nationalpark Harz

Immer am Graben entlang kommen wir schließlich wieder zu unserer Wegkreuzung am Sonnenberger Graben, wo wir geradeaus dem ansteigenden Weg in Richtung des Wanderparkplatzes Dreibrode folgen und unsere Tour sogar bei Sonnenschein beenden.

Die Tour auf einen Blick:

  • Länge: 14,7 Kilometer
  • Höhenmeter: 280 Meter
  • Dauer: 4 bis 5 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: leicht-mittel
  • Startpunkt: Wanderparkplatz auf der Clausthaler Straße zwischen Sonnenberg und St. Andreasberg
  • Parkmöglichkeit: direkt am Startpunkt (s. oben)
  • GPX-Track: Hier geht’s zur Tour (Klick)

Tour 3: Rund um den Oderteich im Nationalpark Harz

Pünktlich zum ersten Advent ist der erste Schnee im Hochharz gefallen. Da Barney genauso schneeverrückt ist wie ich, beschloss ich recht spontan, mit ihm zum Oderteich zu fahren. Am kostenfreien Wanderparkplatz berühren seine Pfoten das erste Mal den gefrorenen weißen Boden und aufgeregt starten wir unsere Tour, die ganz im Zeichen der Moorlandschaften stehen soll. Wir überqueren zunächst vorsichtig die Bundesstraße 242 und befinden uns direkt auf den wurzeligen Pfaden, die so charakteristisch für diese Gegend sind. Der Oderteich ruht mit spiegelglatter Oberfläche in einer frostig-schönen Winterstarre. Zwischen 1722 und 1891 war er die größte Talsperre Deutschlands und wurde genau wie die anderen Teiche und Talsperren der Oberharzer Wasserwirtschaft zu Bergbauzeiten künstlich angelegt. Aufgrund des großen Wasservolumens von 1,7 Millionen Kubikmetern, konnte er das notwendige Wasser zum Antrieb der Wasserräder während der dreimonatigen Trockenzeit bereitstellen. Der Aufbau des Damms ist jedoch ein vollkommen anderer als bei den über 100 Teichen der Region. Diese weisen an der wasserseitigen Böschung eine Dichtung aus Rasensoden auf, was in den höheren Lagen des Oderteichs jedoch nicht machbar war. Der Damm des Oderteichs hat eine Granitsand-Dichtung im Kern des Dammes und wird durch ein Zyklopenmauerwerk gestützt. Auch die Striegelanlage ist aus Stein statt aus Holz ausgeführt.

Wanderung im Winter entlang vom Oderteich im Nationalpark Harz
Wanderung im Winter entlang vom Oderteich im Nationalpark Harz

Wir werden den Damm zum Ende der Tour noch überqueren, halten uns jedoch zunächst links auf dem nach Sonnenberg ausgeschilderten Weg 9C, den ein blauer waagerechter Strich markiert. Der Trail führt uns parallel zur Harzhochstraße, die wir jedoch aufgrund der frühen Uhrzeit kaum wahrnehmen. Rechts von uns befindet sich eine weite Hochebene Moorlandschaft. Ich muss unwillkürlich an meinen Lieblingsfilm aus Kindertagen „Die unendliche Geschichte“ denken, als Artax, das Pferd von Atreju, im Sumpf versinkt. So hatte ich mir Moor immer vorgestellt und lasse gedankenverloren den Blick über die Weite schweifen. Knorrige Fichten stehen hier neben dunkelgrünen Tannen. Eine leichte Schneeschicht hat sich über die braunen Gräser am Boden gelegt. Die Landschaft wirkt ein wenig surreal, aber längst nicht so bedrohlich wie in meinen kindlichen Vorstellungen. Mir kommen Irrlichter, die Wanderer ins Moor ziehen wollen, in den Sinn. Ich frage mich, ob ich nachts hier genauso taff wäre, obwohl ich genau weiß, dass es sich bei diesem Phänomen lediglich um entflammte Faulgase handelt, die in dunklen Nächten über das Moor wabern. Ich habe den Gedanken noch nicht zuende gedacht, als wir die Siedlung Sonnenberg erreichen. Hier wird am Kleinen und Großen Sonnenberg, die mehr als 850 Meter hoch sind, Skisportgeschichte geschrieben. Neben dem Landesleistungszentrum Biathlon befinden sich hier die Hausstrecken von Arnd Peiffer und Daniel Böhm. Vier Schlepplifte und zahlreiche Loipen sorgen für ein echtes Wintererlebnis im Hochharz.

Wanderung im Winter entlang vom Oderteich im Nationalpark Harz
Wanderung im Winter entlang vom Oderteich im Nationalpark Harz (Hinweis: Im Nationalpark besteht ganzjährig Leinenpflicht. Barney wurde kurz für das Foto in Szene gesetzt und hinterher wieder angeleint!)

Am Ende der kleinen Siedlung überqueren wir wieder die Harzhochstraße, um nun links neben der Straße auf breiten Wiesenwegen entlangzugehen. Auch hier führt in schneereichen Wintern eine Loipe entlang. Ich erinnere mich an die vielen Langläufer, die ich beim Vorbeifahren aus dem Auto beobachten konnte. Aktuell stapfen nur Barney und ich über die fein bepuderten Wiesenwege. Etwa 700 Meter hinter der kleinen Ortschaft Sonnenberg biegen wir rechts ab, überqueren abermals die Harzhochstraße und folgen dem Wanderweg 18C mit blauem Dreieck markiert in Richtung Torfhaus und Wolfswarte. Wenige hundert Meter wandern wir auf dem geraden Weg zwischen hohen Fichten und hören nichts außer dem Geräusch meiner Schuhe und Barneys Pfoten im knirschenden Schnee. Wir passieren eine gemütliche, aber eingeschneite Sitzgruppe aus Holz zu unserer Linken, bevor der Weg deutlich schmaler wird. Hintereinander wandern wir nun am Clausthaler Flutgraben entlang, der am Osthang des Bruchbergs diverse kleinere Zuflüsse anzapft. Der Graben ist etwa 4100 Meter lang, wurde 1827 vollendet und besitzt eine hydraulische Kapazität von mehr als 100 Litern Wasser pro Sekunde. Dieses wurde dem Dammgraben zugeführt, der es zu den Wasserrädern der Bergwerke rund um Clausthal-Zellerfeld brachte. Der Clausthaler Flutgraben zählt somit ebenfalls zum UNESCO-Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft. Der Singletrail führt uns ohne Anstiege direkt rechts vom Graben entlang. Nebeneinander gehen ist hier schwierig und wir sind froh, unsere Wanderung ungestört genießen zu können.

Am Oderteich im Nationalpark Harz
Am Oderteich im Nationalpark Harz (Hinweis: Im Nationalpark besteht ganzjährig Leinenpflicht. Barney wurde kurz für das Foto in Szene gesetzt und hinterher wieder angeleint!)

Am nächsten Abzweig halten wir uns rechts und folgen dem Weg 18E leicht bergab in Richtung der Sonnenkappe Oderteich. Der Weg wird ein wenig breiter, aber dafür steiniger. Wir laufen zwischen üppigen Sträuchern Heidekraut hindurch und passieren den Abzweig zum Märchenweg, ehe wir auf dem Harzer-Hexen-Stieg landen und den Oderteich an seiner Ostseite passieren. Einen kleinen Zwischenstopp legen wir an der Sonnenkappe ein, einem Bach, der am Nordufer in den Oderteich mäandriert. Auf den großen Steinen am Rand saßen wir schon öfter auf langen Wanderungen im Sommer und haben Füße und Pfoten im Wasser gekühlt. Heute begnüge ich mich mit einem kurzen Stopp beim Stempeln und drücke zufrieden die 217 in mein Heft. Am Ostufer des Oderteichs wandern wir entspannt wieder zurück zum Parkplatz. Der enge Weg führt uns in sanften Kurven um Fichten, kleinere Felsen und Fichtenstämme vorbei. Schmale Wurzeltrails, die durch Schnee und Eis ziemlich glatt sind, wechseln sich mit holzbeplankten Stegen ab. Zwischendurch gibt die Natur den Blick auf den Oderteich frei, der mystisch gefangen im Nebel seine ganz eigene Geschichte an diesem Tag erzählt. Kurz vor dem Damm entdecke ich auf der rechten Seite eine etwa 3 Meter hohe Frau aus einem Holzstamm geschnitzt, die Frau Holle darstellen soll. Um sie rankt sich eine traurige Liebesgeschichte, die auf der Metalltafel neben der Statue niedergeschrieben ist. Barney und ich überqueren schließlich den Damm mit der steinernen Striegelanlage, werfen noch einmal einen Blick zurück auf die wild-romantische Ostseite des Oderteichs und überqueren nun wirklich zum letzten Mal die Harzhochstraße, um wieder zum Parkplatz zu kommen.

Die Tour auf einen Blick:

  • Länge: 10,5 Kilometer
  • Höhenmeter: 140 Meter
  • Dauer: 3 bis 4 Stunden
  • Schwierigkeitsgrad: leicht
  • Startpunkt: Wanderparkplatz Oderteich an der Harzhochstraße zwischen Sonnenberg und Torfhaus
  • Parkmöglichkeit: direkt am Startpunkt (s. oben)
  • GPX-Track: Hier geht’s zur Tour (Klick)

Tipp: Folgendes Kartenmaterial habe ich immer im Rucksack – trotz digitaler Navigation: Klick. Das allerbeste Gadget zum geruchsfreien Verstauen von Kacki-Beuteln findest du hier: Klick! (Dieses sind Affiliate-Links – wenn du etwas darüber bestellst, erhalte ich eine kleine Provision, ohne dass du mehr bezahlst – ich danke dir von Herzen für deine Unterstützung!)

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Maddie ist neben ihrem Job als Marketingmitarbeiterin, Fotografin und Bloggerin sehr gerne in der Natur unterwegs. Seit dem Sommer 2016 begleitet sie dabei ihr treuer vierbeiniger Weggefährte Barney und manchmal auch der Hundepapa. Nach ausgiebigen Touren bloggt sie darüber.

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