Plötzlich Camper – Vanlife mit Hund und Herz

Wir müssen reden. Es gibt Nachwuchs in unserer Familie. Nachwuchs auf vier Rädern mit sämtlichem Komfort, den man sich für die kleinen Auszeiten vom Alltag nur wünschen kann. Uns nennt man jetzt wohl Camper, denn wir sind mit Anlauf ins Vanlife gesprungen.

Zugegeben: Es war keine Spontanentscheidung, sondern lange geplant, überlegt und von vorne bis hinten durchgerechnet. Leider steht auch bei uns kein Goldesel im Garten (warum eigentlich nicht?!) und so musste halt noch ein bisschen länger gespart werden. Macht aber nichts, denn wer weiß, wozu es letztendlich gut war. Nichts passiert ohne Grund, du weißt schon… Eigentlich ist der Wunsch aus einer leisen Äußerung meinerseits erst so richtig gewachsen. Nachdem wir wieder mal in einem unserer viel zu kleinen Kombis unterwegs waren, schwärmte ich vom Reisen in einem Van, dem Übernachten an den coolsten Orten der Welt und der Freiheit, wenn uns morgens die salzige Meeresluft um die Nasen weht. Wider Erwarten stimmte mir der Hundepapa sofort zu. Total witzig, wie man durch Zufall und beiläufige Äußerungen von den Träumen und geheimen Wünschen des Partners erfährt. Nun gut, wir waren uns nicht in allen Punkten sofort einig. Der Hundepapa wollte gerne etwas Flexibles wie einen T5 (Achtung, hier könnte Werbung drin stecken!), während ich schon immer von einem Kastenwagen träumte. Der Traum vom Selbstausbau war nach einer hausinternen Renovierungsaktion recht schnell wieder ausgeträumt, die mir bewies, dass ich auf jeden Fall zwei linke Hände besitze. Der Zeitfaktor war auch nicht außer Acht zu lassen, weshalb wir uns dann schließlich auf einen fertig ausgebauten Van einigten. Kann man dann überhaupt noch vom richtigen Vanlife sprechen? Dem coolen Lebensstil mit zusammengezimmertem Bulli und Surfbrett unter der Decke? Ich denke schon! Unserer Vorfreude und Neugier auf diesen neuen Abschnitt und Lifestyle tut das jedenfalls keinen Abbruch.

Odyssee im Autohaus

Das Autohaus unserer Wahl hatten wir bereits vor einigen Wochen besucht und uns in den Typ Fiat Ducato verliebt. Optisch und auch zweckmäßig gibt es da einige Unterschiede, aber schnell legten wir fest, was uns wichtig war und was wir so gar nicht brauchen würden. Wochen später, genau genommen am 31. Mai, entdeckten wir nachmittags eine Anzeige eines Fiat Ducato Chaussons. Den Account des Autohauses hatten wir natürlich abonniert und bekamen so direkt die neuesten Angebote aufs Handy. Der Hundepapa zögerte nicht lange und rief an, um das gute Stück 24 Stunden lang für uns zu reservieren. Es erfüllte nämlich alle Wünsche und Vorstellungen, die wir haben und war zudem fast neu und extrem wenig gelaufen. Am nächsten Tag standen wir vor dem Weckerklingeln auf, steckten alle notwendigen Dokumente ein, schnappten uns Barney und machten uns auf den Weg. Vor Ort wurden wir leider richtig enttäuscht. Das vermeintliche Traummobil entpuppte sich als sehr ungepflegt. Trotz des zarten Alters von knapp zwei Jahren waren überall starke Gebrauchsspuren, hartnäckiger Dreck hatte sich in die Möbel eingefressen, die Polster waren voller Druckstellen und sehr ungepflegt und die Schranktüren sehr schwergängig. Der Bauch sagte nein und etwas betrübt ließen wir uns weitere Mobile aufschließen. Auch darunter war das Richtige nicht dabei. Es passte einfach nicht. Irgendwie waren wir in Gedanken immer bei dem einen Van, der uns schon ganz am Anfang beim Warten auf den Verkäufer ins Auge gefallen war. Der war zwar ein Jahr älter und auch ein paar Kilometer mehr gelaufen (27.000 km), aber insgesamt in einem top Zustand und perfekt gepflegt. Da stimmte alles und wir sagten aus tiefstem Herzen “JA!”. Das war sie nun – die Geburtsstunde unseres “Waldemars”, wie wir ihn liebevoll nennen (seit jeher haben alle Autos in der Familie Namen!). Es ist ein Fiat Ducato Chausson Twist Exclusive aus 2016 geworden. Vollausgebaut. Sogar mit Dusche und Toilette. Übersichtlich, aber vorhanden.

Barney testet natürlich auf Bequemlichkeit und Ausblick

Bevor wir ihn in die Arme schließen oder uns in seine Sitze kuscheln können, vergehen allerdings noch ein paar Tage. Genauer gesagt 15, denn am Freitag, 28. Juni, dürfen wir ihn erst abholen (Schuld sind Hundepapas Dienstreisen), aber bis dahin gibt es noch viel zu tun. Von der Anzahlung, über Versicherungsabschluss und Wohnmobil-Zulassung bis zu dem Teil, der mir am meisten Spaß macht: Shoppen! Zugegeben: Mangels Budget halten sich die Shopping-Eskapaden in Grenzen, aber wir wollten ja eh minimal reisen. Wenn Du Tipps hast, was man als Camper unbedingt haben sollte oder welche offiziellen und inoffiziellen Campingplätze absolut sehenswert sind, schreib’ mir unbedingt eine Mail (oder bei Facebook oder Instagram).

Kaum war die Unterschrift auf dem Papier getrocknet, wurde Waldemar direkt markiert.

Pläne haben wir viele und täglich kommen neue hinzu. Ich habe einige brauchbare Apps entdeckt, die uns sehr weiterhelfen werden und mir schon jetzt wahnsinniges Fernweh bescheren. Als erstes werden wir durch Deutschland tingeln, unseren schönen Harz weiter kennenlernen, an die Küste fahren oder in die Alpen. Wie immer bin ich auf der Suche nach Geheimtipps und unbekannten oder vorurteilsbelasteten Orten (zum Beispiel habe ich letztens eine Dokumentation über die Möhnetalsperre im Bergischen Land gesehen, zu der der Hundepapa nur meinte “boah wie uncool!”. Das hat er übrigens anfänglich auch zur Lüneburger Heide gesagt und seine Meinung ganz schnell geändert, als er mal da war – also jetzt erst recht!). Ende September fahren wir dann nach Österreich und vielleicht über die Schweiz und Liechtenstein oder Slowenien wieder zurück. Mal gucken, wo wir hingetrieben werden. Wir haben ja Zeit und unser Zuhause immer dabei. Wir lassen uns den Wind durch die Haare wehen, wo es uns gefällt. Wir fahren einfach weiter, wenn das Gefühl nicht passt. Wir sind frei. Und genau das ist es – dieses Vanlife, von dem alle sprechen.

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