5 Tipps, um deinen Hund fit fürs Wandern zu machen

5 Tipps, um deinen Hund fit fürs Wandern zu machen

Zughundesport und damit insbesondere Dogtrekking ist inzwischen auch in Deutschland überall verbreitet. Beim (Weit-)Wandern mit Hund werden Distanzen bis zu 80 Kilometer zurückgelegt. Doch nicht nur die Extremwanderungen benötigen insbesondere nach einer langen und ruhigen Wintersaison Vorbereitung – auch kleinere Wanderungen mit Hund sollten entsprechend vorbereitet werden. In diesem Beitrag gebe ich dir 5 Tipps, wie du deinen Hund (und dich) fit für längere Touren machen kannst und was es sonst noch Wichtiges zu beachten gibt.

Tipp 1: Schätze euch realistisch ein

Nimm’ dir einen Moment Zeit und überlege ganz genau, auf welchem Leistungsniveau sich dein Hund und du befinden. Vielleicht hast du die bisherigen Wanderungen oder Gassi-Runden mit einer Uhr oder deinem Handy aufgezeichnet und kannst so die durchschnittliche Kilometerzahl der Touren in den letzten drei Monaten bestimmen. Dieser Wert ist dein Ausgangszustand, auf dem du gezielt das Training aufbauen kannst. Wenn du bislang keine Routen aufgezeichnet hast, schätze die Durchschnittsdistanz realistisch ein oder rechne die Kilometeranzahl anhand der Dauer, die du unterwegs warst, aus. Normalerweise wandert man im Durchschnitt etwa 4 Kilometer pro Stunde. Warst du also eine Stunde lang Gassi ohne Pausen, wirst du in etwa 3-5 Kilometer zurückgelegt haben.

Egal, ob du deine Touren aufzeichnest oder nicht: Gehe nochmals einen Moment in dich und versuche dich dran zu erinnern, ob du nach den bisherigen Gassi-Runden oder Touren kaputt warst oder ob du locker noch ein Stündchen dranhängen hättest können. Gleiches gilt für deinen Hund (wobei Hunde erfahrungsgemäß fitter sind als wir Menschen). Wenn du diese Frage mit “ja, absolut!” beantworten kannst, lässt sich dein Ziel (Tipp 2) noch ein wenig verschieben.

Harz-Dogtrekking 2021 (Foto: Hundestars)
Harz-Dogtrekking 2021 (Foto: Hundestars)

Tipp 2: Setze euch ein Ziel

Ich finde Ziele absolut großartig! Sie sind nicht nur ein Erlebnis, auf das man sich freuen kann, sondern auch eine tolle Motivation, wenn der innere Schweinehund dich mal wieder ans Sofa ketten will. Dieses Ziel kann eine ganz besondere Wanderung in ein paar Monaten sein, ein Wettkampf mit deinem Hund, ein richtiges Dogtrekking oder einfach eine Änderung des Ausgangszustandes (“in einem halben Jahr möchte ich 20 Kilometer weit mit meinem Hund wandern” oder “in drei Monaten möchte ich drei statt zwei Stunden Gassigehen”). Wichtig dabei ist nur eins: Sei bitte realistisch zu dir und deinem Hund. Es bringt nichts, wenn du euch zum IronDog anmeldest und dein Hund geht partout nicht ins Wasser. Oder wenn du ein Dogtrekking mit 80 Kilometern finishen möchtest, aber seit Jahren extreme Probleme mit deinem Fuß hast. Nicht vergessen: Ziele sind toll, egal wie groß oder klein! Sie geben dir etwas, worauf du hinarbeiten kannst und wenn du mit dieser Motivation ins Training gehst, wirst du die Begeisterung auf deinen Hund übertragen – versprochen!

Tipp 3: Überprüfe das Equipment

In erster Linie geht es beim Wandern ums Wandern – das ist klar! Wenn du allerdings mal etwas länger unterwegs sein möchtest als nur auf der üblichen Runde um den Block, benötigst du für dich und deinen Hund einfach passende Sachen. Gut sitzende Wanderschuhe und ein passender Rucksack ersparen dir langfristig Muskel- und Gelenkprobleme. Lass dich da unbedingt in einem Fachgeschäft beraten – allein schon wegen der riesigen Auswahl auf dem Markt. Im Hundebereich sieht das ähnlich aus. Rund 80% der angebotenen Dinge taugen nichts oder sind einfach überflüssig. Ich muss allerdings auch gestehen, dass ich keine 10 Leinen im Schrank habe, sondern einfach nur das, was ich auch wirklich brauche (das gilt sowohl für Barney als auch fürs Pferd). Was ich als unabdingbar betrachte und auf jeder Tour dabei habe: Ein angepasstes und gut sitzendes Zuggeschirr für Barney. Lass dich auch da bitte beim Fachhändler beraten. Egal, ob du mit deinem Hund im Zug wandern möchtest oder mit Alltagsgeschirr und Leine in der Hand. Darüber hinaus haben wir immer Kotbeutel inkl. geruchsdichtem Beutel dabei, ein Erste-Hilfe-Pack mit Schmerzmitteln (Metacam vom Tierarzt), Traumeel und Apis als Sofortmittel gegen das Verschlucken von Wespen oder bei Insektenstichen, passende Booties für jede Pfote, ein paar leckere und energiereiche Snacks sowie Wasser. Die Menge an flüssigen und festen Stoffen hängt natürlich von der Dauer der Tour und dem Wetter ab.

Wandern mit Hund in der Oberharzer Wasserwirtschaft
Wandern mit Hund in der Oberharzer Wasserwirtschaft

Tipp 3: Steigere den Leistungsumfang

Wenn du längere Strecken zurücklegen möchtest, kommst du nicht drumherum deine Wochenkilometer hochzuschrauben. Inwieweit du den Umfang steigerst, hängt natürlich von deinem Ziel ab. Möchtest du einfach nur eure Fitness durch mehr Bewegung steigern oder dich darauf vorbereiten hin und wieder am Wochenende eine längere Gassi-Tour um die 15 Kilometer zu laufen, reichen sicherlich 2-3 Kilometer mehr pro Woche. Solltest du auf ein Dogtrekking oder einen Marsch ab 50 Kilometer trainieren, fallen die Wochenumfänge sicherlich höher aus. Steigere dich aber auch da bitte langsam. Beim Lauftraining hat mal jemand gesagt, dass die Anzahl der Wochenkilometer der Kilometeranzahl des angestrebten Wettbewerbs entsprechen soll. Möchtest du also einen Marathon (42 Kilometer) laufen, ist es ratsam diese Distanz auch in der Trainingswoche zurückzulegen.

Ich persönlich halte die Vorbereitung eher entspannt und an uns angepasst. Es gibt Wochen, die unglaublich stressig sind oder in denen es mir nicht gut geht. Da läuft dann auch mal sehr wenig. Dafür kann es sein, dass wir am Wochenende zu einer 30 Kilometer Wanderung aufbrechen und somit einiges wieder einholen. Beachte bitte, dass jeder Körper individuell ist und das Wandertraining auch nicht zu heftig ausfallen soll. Im besten Fall leidet sonst die Motivation – im schlimmsten Fall kommt es zu Ermüdungserscheinungen oder Verletzungen.

Tipp 4: Baue gezielte Übungen ein

Oft höre ich Sätze wie “Wandern ist doch kein Sport!” oder “Der Hund zieht dich ja den Berg hoch. Das würde ich auch schaffen!”. Mich macht das wütend. Und traurig. Wandern ist – wissenschaftlich bewiesen – eine der besten und sanftesten Sportarten, um den ganzen Körper inklusive des Herz-Kreislauf-Systems zu stärken. Zudem ist Wandern sehr gelenkschonend und damit auch für Menschen mit Knieproblemen oder Hunde mit HD zu empfehlen. Den Phrasen wie “Wer rastet, der rostet” oder “sitzen ist das neue Rauchen” kann ich zu Hundertprozent zustimmen und habe am eigenen Leib erfahren müssen, was Bewegungsmangel mit dem Körper anstellen kann. Im Bereich des Zughundesports wirken nochmal völlig andere Kräfte auf den Körper. In den Phasen, in denen der Hund auf Zug läuft, sind sämtliche Muskeln von dir in Gebrauch. Du brauchst unbedingt eine stabile Rumpfmuskulatur, Balance und Kraft, um mit dieser physischen Einwirkung klarzukommen. Davon mal ganz abgesehen bedarf das Wandern mit Hund (im Zug) einer exzellenten Kommunikation, ganz viel Vertrauen und höchste Konzentration von beiden Seiten. “Nö, das würdest du nicht schaffen!”, denke ich mir bei solchen Sprüchen immer. (Oben genannte Sprüche kommen gerne überwiegend von bierliebenden älteren Männern, die nach 100 Metern flacher Strecke bereits zu schwitzen beginnen.)

Aufgrund der Belastung, wenn du mit deinem Hund im Zug wanderst, macht es Sinn sowohl deine Muskulatur als auch die deines Hundes zu stärken. Da ich wegen meines Bürojobs und der Bloggerei am Laptop viel sitze, bin ich nach einer Odyssee an Rückenschmerzen und Muskelverspannungen dazu gezwungen jeden zweiten Tag gezielte Übungen zu machen oder Alternativtraining zum Wandern und Laufen einzubauen. Das beste Training bei uns ist die Zeit am Stall: Paddock saubermachen, Wasserschleppen, Box misten, den Sattel schleppen, geschäftig von A nach B laufen – und natürlich Reiten! Reiten ist ein super Ausgleichssport zum Wandern und stärkt die Rumpfmuskulatur, die dir Stabilität im Gelände ermöglicht. Barney ist meistens dabei und baut unbewusst Muskeln beim Spielen mit anderen Hundekumpels im Stall auf. Wenn ich mit Luna, meiner Araberstute, Bodenarbeit mache, lasse ich sie gerne über Stangen traben. Auch da muss Barney mit ran und lernt somit – genau wie das Pony – die Beine zu heben, sich auszubalancieren und dabei Rücken- und Bauchmuskulatur einzusetzen.

Caniplace Thalfang
Kräftigungsübungen auf Baumstämmen sind perfekt

Wenn du kein Pferd hast, könnt ihr auch auf euren Gassirunden gemeinsam aktiv werden. Besonders der Wald ist ein ideales Fitnessstudio zu jeder Jahreszeit. Balanciert auf Baumstämmen und springt drüber! Verlasst einfach mal den Hauptweg und klettert über Äste, Hügel und zwischen Büschen entlang (bitte nur außerhalb Naturschutzgebieten/Nationalparks und der Brut- und Setzzeit)! Nutze Baumstämme für Liegestütze – auch dein Hund kann sich mit den Vorderpfoten (oder sogar nur mit den Hinterpfoten) auf dem Baumstamm abstützen und diese Position einfach halten. Das ist unglaublich effektiv. Geht nicht nur stumpf den Weg entlang, sondern baut Übungen mit ein. Ganz toll ist Slalomlaufen durch die Beine. Oder ihr rennt ein kurzes Stück gemeinsam. Solche Übungen stärken nicht nur eure Körper, sondern auch das gegenseitige Vertrauen. Dein Hund wird dich zudem super cool finden, wenn eure Spaziergänge so spannend sind. Wichtig ist Abwechslung! Werde kreativ und mach den Walk zu eurem Abenteuer!

An Regentagen darf das Krafttraining auch gerne im Haus oder in der Wohnung stattfinden. Wir nutzen gerne Balancekissen und –igel für gezielte Kräftigungsübungen, aber auch das heimische Sofa kann – ähnlich wie ein Baumstamm – ins Training einbezogen werden. Auch hier sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Experten empfehlen 2-3 Mal die Woche gezieltes Muskeltraining für 15-30 Minuten.

Tipp 5: Pause und mentale Stärke

Hunde ruhen und schlafen zwischen 18 und 20 Stunden am Tag. Diesen Aspekt solltest du bitte immer im Hinterkopf haben. Die physischen und auch psychischen Anforderungen eines Dogtrekkings sind für den Hund nicht zu unterschätzen! Gönne deinem Vierbeiner nach der großen Anstrengung wirklich ein paar Tage Pause, an denen gar nichts bis wenig passiert. Wenn wir einen Doghike mit etwa 50 Kilometern wandern, finden die Woche danach nur ganz leichte Spaziergänge statt. Ich habe allerdings sehr gute Erfahrungen damit gemacht, am Tag nach einer großen Tour etwa 3-5 Kilometer zu gehen (oder auch gemütlich zu joggen), um die Muskeln zu lockern. Erfahrungsgemäß wurde dann auch der Muskelkater nicht allzu schlimm. Auch während der Vorbereitung auf dein Ziel oder im Rahmen des normalen Trainings solltest du genügend Pausenzeiten für euch Beide einplanen und diese auch einhalten.

Bei all der körperlichen Vorbereitung darfst du nie vergessen: Der Kopf wandert immer mit! Wenn du mental nicht stark bist, ist es schwer bis unmöglich dein Ziel zu erreichen oder das Event durchzuziehen. Ich hatte leider schon einige mentale Einbrüche – besonders am Anfang unserer Dogtrekking-Laufbahn. Mit mentaler Stärke hätte ich jedes “Did not finish” in ein “finish” umgewandelt – ganz klar! Die Beine und vorallem auch die Vierbeiner vollbringen Wunderleistungen – auch wenn du denkst, dass es doch gar nicht mehr weitergehen kann. In 90% der Fälle ist der Kopf das Hindernis! Mit der Zeit wurden diese Einbrüche immer weniger. Bei jedem Down habe ich mich gefragt, ob ich aufgeben möchte, weil ich einfach nur müde, hungrig oder erschöpft bin oder ob ich wirklich richtig heftige Schmerzen habe (bei letzterem unbedingt aufhören und auf den Körper hören). Meistens habe ich während einer Pause neue Kraft und neue mentale Stärke geschöpft. In solchen Fällen wirkt eine Pause inklusive Essen, trinken und Füße hochlegen ein wahres Wunder! Bei langen Touren hilft es ungemein in Abschnitten zu denken. Lass die Gedanken wie “oh Hilfe, noch 48 Kilometer!”, sondern teile dir die Strecke im Kopf in Abschnitte ein: “Nur noch 5 Kilometer bis ins nächste Dorf!” oder “nach 5 Kilometern machen wir wieder eine Pause und dann gibt es den leckeren Schokoriegel aus dem Rucksack!”. Bei Events geht das super gut: Entweder du bist bei Dogtrekkings eh mit der Navigation beschäftigt oder du motivierst dich auf Märschen von Verpflegungspunkt zu Verpflegungspunkt.

Pause mit Hund beim Wandern
Pause mit Hund beim Wandern

Auf jeden Fall lohnt es sich auch schon im Training die Komfortzone zu verlassen, um dir mentale Stärke zu entlocken. Geh einfach bewusst bei Schmuddelwetter vor die Tür und hänge unbedingt noch ein paar Kilometer dran. Übe generell das Wandern bei verschiedenen Wetterlagen (außer bei Gewitter und Sturm). Bei feststehenden Eventterminen kannst du das Wetter auch nicht beeinflussen. So kann es nicht schaden auch mal (kurz und in Maßen mit viel Wasser!) in der Mittagshitze unterwegs zu sein oder auch im Schneesturm oder strömenden Regen. Eine prima Übung, um sich selber herauszufordern und den Kopf zu stärken, ist folgende: Suche dir in deiner Homezone eine kleinere Runde (2-3 Kilometer) und ein freies Wochenende. Statt einer abwechslungsreichen Tour im nächsten Mittelgebirge wanderst du diese Runde mindestens dreimal (gerne auch länger). Du wirst es hassen, aber es ist unfassbar effektiv für deine mentale Stärke. Dein Hund ist übrigens eh mental stärker als du. Das liegt in der Natur des Hundes. Sie sind einfach geborene Langstreckenläufer. Wenn der Vierbeiner dich zu jedem Training begleitet, verschiebt sich auch seine mentale Grenze automatisch. Versprochen!

Fazit: Habt einfach Spaß!

Die beste Motivation ist immer noch die Freude an der Bewegung. Nutzt das und habt einfach Spaß gemeinsam da draußen. Nehme das Wandern zum Anlass, um gesund zu bleiben (oder zu werden) und stecke dir realistische Ziele. Willkommen in diesem wundervollen Sport!

Wenn du Fragen hast oder noch weitere Tipps loswerden möchtest, freue ich mich über deinen Kommentar. P.S. Ich bin weder Trainerin noch Psyiotherapeutin (sehr zum Leidwesen vom Hundepapa übrigens, der gerne jeden Abend eine Massage abstauben würde ;-)) – alle Tipps basieren auf eigenen Erfahrungen. Es ist deine Aufgabe den richtigen Weg für dich und deinen Hund zu finden! Du schaffst das!

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Maddie ist neben ihrem Job als Marketingmitarbeiterin, Fotografin und Bloggerin sehr gerne in der Natur unterwegs. Seit dem Sommer 2016 begleitet sie dabei ihr treuer vierbeiniger Weggefährte Barney und manchmal auch der Hundepapa. Nach ausgiebigen Touren bloggt sie darüber.

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