Sebadenitis beim Hund – die mysteriöse Hautkrankheit

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“Die Biopsie hat ergeben, dass Barney Sebadenitis hat.” Noch lange hallten die Worte unserer Tierärztin in meinen Ohren nach – auch wenn wir es schon lange geahnt haben. Vermutet und doch geschockt, gleichzeitig aber froh, nach den langen Wochen und Monaten endlich eine handfeste Diagnose zu haben…

Barney leidet nämlich bereits seit September 2019 an Haarausfall. Mal mehr, mal weniger. So richtig aufgefallen und bewusst geworden ist es uns, als wir einen Tag vor dem Untersberg-Dogtrekking bei unseren Freunden im Auto mitgefahren sind und es eine gefühlte Explosion an weißen Haaren gegeben hat. Ständig fragten wir uns, ob dieses Ausmaß noch normal ist – immerhin ging es zu dieser Zeit schnurstracks auf den Herbst zu und wir erlebten in den Bergen bereits den ersten Schnee. Nachdem wir Anfang Oktober wieder zuhause waren, vereinbarte ich direkt einen Termin bei unserer Tierärztin, die Barney schon seit dem Welpenalter betreut. Wir ließen ein großes Blutbild machen und sollten etwas mehr Fett und Öle zufüttern. Als die Ergebnisse aus dem Labor kamen, waren wir tatsächlich etwas ernüchtert. Alle Werte waren fantastisch und es lagen weder Mängel noch Hormonstörungen vor. Auf Parasiten und Würmer wurde ebenfalls getestet, was sich auch als negativ herausstellte. Ein Besuch bei einem anderen Tierarzt brachte dasselbe Ergebnis. Anfang Dezember besuchten wir eine Tierheilpraktikerin und bekamen dort interessante Einblicke in das Thema der Bioresonanz. Wer mich kennt, weiß, dass ich Homöopathie sehr schätze und auch bei mir selber mit naturheilkundlichen Mitteln äußerst positive Erfahrungen gemacht habe. Das Ergebnis bei den knapp drei Stunden Bioresonanz erschien uns absolut logisch. Barney sollte eine Unverträglichkeit gegen jegliches Getreide, sowie eine Umweltvergiftung (durch Abgase etc.) und einen Vitaminmangel haben. Also bestellte ich noch am selben Abend für knapp 300 Euro Nahrungsergänzungsmittel, die wir ihm mindestens sechs Monate geben sollten. Als uns die Tierheilpraktikerin zum Schluss der Behandlung noch Globulis mitgab, auf denen die Schwingungen gespeichert sind, mit denen sie Barney behandelt hatte, kamen bei uns doch leichte starke Zweifel auf. Nichtsdestotrotz gaben wir ihm die Mittel regelmäßig und sahen auch über eine Verschlimmerung hinweg, die jedoch – ungelogen – Wochen andauerte. Ich kaufte für viel Geld hochwertiges Barf und verfiel langsam einem immensen Druck und dieser Hilflosigkeit, die sich breit macht, wenn man einfach gar nicht weiß, was seinem Tier eigentlich fehlt. Das Futter für ihn kostete mich mit den hochwertigsten aller Ölen mittlerweile knapp 300 Euro im Monat.

Im Januar 2020 wurde es dann wirklich schlimm. Natürlich lief meine Suchmaschine auf Hochtouren und ich machte inzwischen nicht nur mich, sondern auch den Hundepapa völlig fertig, was natürlich auch zum ein oder anderen Streit bei uns führte. Unsere Tierärztin baten wir, ein großes Schilddrüsenbild zu machen. Auch bei ihr verhärtete sich der Verdacht auf eine Schilddrüsenunterfunktion, da alle Anzeichen komplett dafür sprachen. Zwei Wochen später kam leider auch da der ernüchternde Anruf, dass alle Werte im mittleren Normbereich sind und dass wohl auch von den noch fehlenden Werten keine Abweichung zu erwarten ist. “Ich würde vorschlagen, wir legen ihn beim nächsten Termin kurz schlafen und entnehmen Hautproben für eine Biopsie, um zu schauen, ob es Sebadenitis ist”, sagte sie uns am Telefon. Sie habe aber noch von keinem Fall gehört oder gelesen, dass ein Weißer Schweizer Schäferhund an Sebadenitis erkrankt ist. Von daher: Wir sollten uns nicht im Vorfeld schon verrückt machen. Das hat bei mir nur mittelmäßig überhaupt nicht geklappt. Für uns Laien war schon von dem Zeitpunkt an klar, dass es Sebadenitis sein musste. Bestätigt wurde dies letztendlich nach der Biopsie Anfang Februar.

Was ist das – diese Sebadenitis?

Diese Sebadenitis ist eine (vermutlich) genetisch bedingte Krankheit, die dazu führt, dass die Talgdrüsen der Haut durch eine Entzündungsreaktion irreversibel zerstört werden. Die Haare fallen zunächst lokal, später dann auch großflächig aus, es bilden sich Verklebungen an den Haarwurzeln (die sogenannten Keratinmanschetten) und der Hund müffelt wie drei Tage lang getragene Socken. Es ist eine chronische unheilbare Krankheit, bei der sich lediglich die Symptome lindern lassen (zum Beispiel durch Baden und Ölen), die aber nie ganz abheilt. Sprich: Barney wird wohl sein Leben lang etwas gerupft und krank aussehen.
Er hat dadurch jedoch keinerlei Einschränkungen – bis auf die Tatsache, dass er fast immer einen Mantel tragen muss, wenn wir rausgehen. Er kann mit dieser Krankheit so alt werden, wie andere Vertreter seiner Rasse und darf alles mitmachen und futtern, was gesunde Hunde auch tun. Phasenweise kann diese noch sehr unerforschte und seltene Krankheit schlimmer werden und auch durch Stress begünstigt werden. Inwieweit wir also noch an Weitwanderungen und Schlammläufen teilnehmen können, ist bislang noch ungewiss. Es wäre gelogen, wenn ich behaupte, dass Barney bei solchen Events keinen Stress verspürt.

Da ich euch nicht nur erklären möchte, warum Barney auf den künftigen Bildern so gerupft und kahl aussieht, sondern auch ein stückweit über diese mysteriöse Krankheit aufklären möchte, werde ich diesen Artikel fortlaufend aktualisieren. Ihr könnt mir gerne eure Fragen als Kommentar oder per Email stellen, die ich dann gerne hier beantworten werde. Ich möchte aber an dieser Stelle betonen, dass ich nur über selbst angelesenes Wissen verfüge und auf keinen Fall den Gang zum Tierarzt oder zum Dermatologen ersetzen kann.

Über Fortschritte und Rückschritte – Unser Tagebuch

Aktuell, am 28. Februar 2020, haben wir einen sehr guten Rhythmus gefunden. Barney wird einmal pro Woche ausgiebig mit Babyöl geölt. Dabei massiere ich das Öl richtig in die Haut ein, sodass er hinterher tatsächlich aussieht, als wäre er in die Fritteuse gefallen. Danach gehen wir entweder (mit Mantel) eine große Runde spazieren oder er muss in der Zeit sein abwaschbares Hundebett hüten. Zwei Stunden später wird er mit einem speziellen Shampoo (momentan nutzen wir DermaSeb S) gewaschen und hinterher mit einem Hundeföhn (einem Blower, der übrigens echt genial ist), getrocknet. Sowohl Shampoo als auch Öl sind rückfettend, sodass Barney auch noch die nächsten Tage etwas fettig in der Gegend umherläuft. Mittlerweile haben wir ihn viermal gewaschen. Außer Lachsöl bekommt er zum Futter keine weiteren Nahrungsergänzungsmittel und vom Barf sind wir momentan wieder etwas weg, da sein Stuhlgang fast nur breiig war (Hundebesitzer dürfen darüber reden). Mittlerweile bekommt er morgens Nassfutter und abends Trockenbarf oder kaltgepresstes Trockenfutter. Ab und zu aber auch mal frisches Fleisch und natürlich Knochen zum Knabbern. Vom Aussehen her ist es momentan noch eine Katastrophe. Die restlichen Haare, die wohl eh nicht mehr so verwurzelt sind, fallen auch aus, aber immerhin hat die Haut so eine Chance zu heilen. Die Keratinmanschetten sind bereits weniger geworden. Wir müssen nun Geduld aufbringen. Mitte April haben wir einen Termin in der Dermatologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Nach dem Waschen am 27. Februar 2020.
Wir sind zuversichtlich, dass sich weitere Erfolge zeigen werden.

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2 Responses

  1. Melanie schneider

    Hallo,
    mein Name ist Melanie Schneider und ich habe eine Hovawart Hündin die seit 8 Jahren Sebadenitis hat.Da Ihr jetziger Schub einfach nicht aufhören will, bin ich wieder mal auf der Suche nach neuen Erkenntnissen.Wir haben exakt den gleichen Weg hinter uns..auch mit den Energieglobulis .
    Seit einer Woche bekommt Alba Retinol.Das wird auch bei starker Akne eingesetzt.Es hat ihr mal vor Jahren bei einem Schub sehr gut geholfen.Ich hoffe es wird bald besser.Ich freue mich Ihre Seite entdeckt zu haben.Alles gute für sie und Barkley!!!
    Liebe Grüße von einer Leidensgenossin

    • dieausdemharz

      Hallo Melanie,
      vielen Dank für das Teilen deiner Erfahrungen.
      Ich drücke euch die Daumen, dass ihr auch diesen Schub gut übersteht – danke auch für den Medikamenten-Tipp. Sebadenitis ist und bleibt eine pflegeintensive Sache.
      Ich wünsche euch auch alles Gute und sende herzliche Grüße,
      Maddie

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